it. Istanbul, 26. Februar
Der türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer und der Regierungschef Bülent Ecevit haben sich nach einer Tagung des Nationalen Sicherheitsrates am Montag vor allem darum bemüht, ihren vor einer Woche ausgebrochenen heftigen Streit zumindest in der Öffentlichkeit herunterzuspielen. Der Regierungschef bezeichnete ein gemeinsames Treffen zwar als sehr fruchtbar und nützlich. Weitere Einzelheiten wollte Ecevit aber nicht bekanntgeben. Klarheit über das Verhältnis der beiden führenden Männer in der Türkei konnte auch eine gemeinsame Erklärung des Nationalen Sicherheitsrates, in dem neben der politischen Führung vor allem einflussreiche Generäle das Sagen haben, nicht schaffen. Darin wurden der Streit in der Staatsspitze und dessen fatale Folgen für das Land einfach verschwiegen.
Die Generäle wurden von der unerwarteten Reaktion des Altpolitikers Ecevit völlig überrascht. Einen Rücktritt seiner Regierung haben sie dennoch von Beginn an abgelehnt. Sie sind offenbar fest davon überzeugt, dass derzeit keine Alternative zur heutigen Koalitionsregierung besteht. So bemüht sich denn die Armeeführung vorerst um eine Schadensbegrenzung. Diese Haltung wird offenbar auch in Washington vertreten sowie in der Zentrale des Internationalen Währungsfonds (IMF). Der amerikanische Präsident Bush hat in einem Telefongespräch am Wochenende Ecevit persönlich die volle Unterstützung seiner Regierung zugesichert. Zudem hat der IMF laut der Tageszeitung «Milliyet» Ankara neue Kredite in Aussicht gestellt.
Nach einer Krisensitzung von führenden Vertretern des Wirtschaftsministeriums und der Bankenaufsicht hat am Montag die türkische Zentralbank der Wirtschaft erneut ausländische Währungen zur Verfügung gestellt. Die Liquiditätszufuhr hat die Märkte etwas beruhigt und der türkischen Lira wieder Auftrieb gegeben. Gleichzeitig konnte der Hauptindex der Istanbuler Börse um 8 Prozent zulegen. Die türkische Lira, die nach der Wechselkursfreigabe vom Donnerstag gegenüber dem Dollar rund 36 Prozent ihres Werts verloren hatte, erholte sich am Montag und ist gegenüber dem Dollar noch 26 Prozent weniger wert als eine Woche zuvor. Seit Mitte letzter Woche verhandelt zudem der für die Türkei zuständige IMF-Beamte in Ankara über ein neues Stabilisierungsprogramm für das Land.
In der Nacht auf Samstag hat der Zentralbankchef Gazi Ercel dem Regierungschef seinen Rücktritt angeboten. Am Montag soll auch der stellvertretende Finanzstaatssekretär Selcuk Demiralp von seinem Amt zurückgetreten sein. Noch ist unklar, ob die Regierung Ecevit diese Rücktritte akzeptieren wird. Als sicher gilt hingegen, dass die Bevölkerung sich nicht mit der Bestrafung von zwei Technokraten zufriedenstellen lässt. Die Mehrheit der Türken macht den Regierungschef Ecevit und sein Kabinett für die Krise verantwortlich. Der angesehene Kommentator Mehmet Ali Birand schrieb: «Meine Herren, ihr wart zum Regieren nicht gut genug. Hört bitte auf, es weiter zu versuchen.»
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