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Generalstreik in der Türkei

Her. ISTANBUL, 1. Dezember. Am Freitag haben nach Gewerkschaftsangaben bei einem Generalstreik in der Türkei eine Million Arbeitnehmer ihre Arbeit niedergelegt. Die 15 in der "Plattform Arbeit" zusammengeschlossenen Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen protestierten dagegen, daß die Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst im kommenden Jahr um lediglich 10 Prozent angehoben werden sollen. Die türkische Regierung hatte sich zum Ziel gesetzt, die Inflation zum Jahresende 2000 auf 25 Prozent zu drücken, bis Ende 2001 auf 10 Prozent. Noch liegt die Geldentwertung aber bei 50 Prozent. In Ankara marschierten die Streikenden vom zentralen Platz Kizilay zum Parlament, wo die Plan- und Haushaltskommission die letzten Retuschen am Staatshaushalt für 2001 vornimmt. Dem Parlamentspräsidenten Ömer Izgi überreichten sie ein Schreiben mit ihren Forderungen. Die Streikenden fordern, neben mehr Lohn, die Verabschiedung des Gesetzes zur Sicherheit am Arbeitsplatz sowie das Streikrecht für die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst. Das Innenministerium hatte den Streikenden gedroht, rechtliche Schritte gegen sie einzuleiten. Die Paragraphen 235 und 236 sähen gegen Streikende des öffentlichen Diensts Haftstrafen von 4 Monaten bis zu 1 Jahr vor, ließ es vor dem Beginn des Streiks verlauten. An dem Generalstreik hatten sich insbesondere Beschäftigte des öffentlichen Diensts beteiligt. Betroffen waren die öffentlichen Verkehrsmittel, Lehrer unterrichteten nicht, die staatlichen Krankenhäuser nahmen nur Notfälle auf. Auch die Finanzämter beteiligten sich am Ausstand, ebenso die Telekombehörde und die Elektrizitätsunternehmen. Die Arbeitsniederlegung, die am Freitag morgen in allen großen Städten der Türkei mit Kundgebungen begonnen hatte, ging am späten Nachmittag zu Ende.
 

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