Übersicht

Was ist neu ? Migration worldwide Texte Links

Eva Weber

Kosovo - zwei Jahre nach dem Krieg

Militarisierung des Sozialen zur weiteren zerstörerischen Umwälzung der Gesellschaft im Modernisierungsinteresse der kapitalistischen Zentren

Kosovo bleibt aber abhängig von Handel mit Serbien

Höchstens leichte Industrie mit privatisierten Staatsbetrieben wird vorausgesagt
 
 
Familien umgehen traditionell die Behörden, Staatsferne! Keine Steuern, Autos noch immer regional ohne Nummernschilder trotz Kontrollen und neuen Gesetzen, Mieten früher unüblich oder superbillig, jetzt in den Stadtzentren unbezahlbar, daher wird praktisch weiter dort mietfrei gewohnt. Strom wird abgezapft wg. viel zu hohen Preisen, die für das Gros der Bevölkerung unbezahlbar sind

(Kraftwerke produzieren daher für Montenegro, Strom im Lande weg!)

Leute sind nicht an kommerzielle Gesetze gewöhnt, keine Versicherungen, keine Hypotheken, unregistrierbare Besitzverhältnisse (ehemaliger Staatsbesitz wird vom serbischen Staat beansprucht, von der Bevölkerung aber in alter sozialistischer Tradition als den ProduzentInnen gehörend betrachtet und anzueignen versucht, gibt immer wieder Konflikte deshalb). UNMIK nutzt die Unklarheit aus durch Hinauszögern und Brachliegenlassen der industriellen und landwirtschaftlichen Betriebe bei Besitzkonflikten. Mancherorts "duldet" UNMIK die von Serbien als "illegal" bekämpfte Inbetriebnahme von Produktionsstätten durch lokale Eliten wie z.B. aus ehemaliger UCK.

UCK und andere albanische Aufsteiger übernahmen anfänglich viele Staatsbetriebe und betreiben "Schwarz"handel, werden bis heute meist geduldet oder protegiert, informelle Gelder fließen hin und her zwischen ihnen und UNMIK. Dadurch entstehen viele Schatten-Arbeitsplätze für frühere ProduzentInnen, nun aber zu "ungarantierten" und ekligen "Schwitzbuden"- Bedingungen (bis 16 Stunden Arbeit, teils ohne reparierte Dächer und Heizungen, ohne Klos und Wasser, oft Stromausfall, teils in Heimarbeit, auch Kinderarbeit) , die von den ProduzentInnen nur durch Bestechung und Begünstigungssysteme ergattert werden können.

"Parallele" grenzüberschreitende Verbindungen machen Teil des Wirtschaftens aus
 
 

Gelder der MigrantInnen wurden noch persönlich oder über Reisebüros und ähnliche Vermittler nach Kosovo gebracht. Diese Art Transfer wollen die Internationalen schon lange unterbinden, indem sie überall "Schwarzhandel" und "Mafia" unterstellen und immer stärker Druck ausüben, dass die Leute ihr Geld auf die Banken bringen sollen.

Wenige Banken bis auf MEB (Mikro Enterprise Bank): sogar Firmenbesitzer tun ihr Geld lieber unter die Matraze als auf die Bank!

Daher wenig "Konkurrenz"!

Dennoch boomt der Kleinhandel in Kosovo, noch immer weitgehend über Bargeld, wenig über Banken.

Mittlerweile verändert sich was:

Es gibt neuerdings außer der Kleinkredite vergebenden "Armuts"- MEB-Bank, die schon ähnlich in Bangladesh und anderen Armutsregionen erfolgreich Kleinkredite v.a. an Frauenprojekte vergeben hat, die durch EU-Gelder und die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau + DEG Frankfurt "anschubfinanziert" wurde und jetzt von der Frankfurter IPC GmbH betrieben wird und sehr erfolgreich ist - 100 neue Konten täglich, 5 Filialen in Kosovo, über 1000 vorwiegend Kleinkredite vergeben und alle bisher zurückgezahlt - auch eine Art Zentralbank "BPK" in Kosovo !

Diese hat Lizenzen an 4 Geschäftsbanken vergeben. Die Banken versuchen mit viel Werbung für angeblich mehr Sicherheit die Leute zum Einzahlen ihrer Gelder auf die Banken zu bewegen, was in letzter Zeit doch offenbar einige Früchte trägt. Dabei greift natürlich die Kriminalisierung der informellen Geldüberbringungskanäle durch "OK" und angebliche Waffenfinanzierungsgeschäfte. Getroffen wird auch hier v.a. die traditionelle Versorgungsstruktur der Menschen, die noch immer voll abhängig sind von den aus dem Westen fließenden Migrationsgeldern der Verwandten.

Die Zentralbank ist natürlich vollständig in der Hand der EU und untersteht vollkommen den "Internationalen". Über diese Bank soll die Umwandlung der D-Mark in Euro ab nächstem Jahr beginnen, aber noch wenig davon zu spüren. Gilt als großes große Sicherheitsproblem.
 
 

EU hat hier vergleichsweise viel investiert, erstmals jetzt Agrarprodukte auf Märkten (GTZ!), aber fehlende (illegal aus Serbien) oder niedrige Einfuhrzölle (Mazedonien) begrenzen Absatz.

Viele kleine unrentable Landbesitze (Väter an Söhne)

Brachliegende sozialistische Großbetriebe, zu groß, Mentalität! Großfamilie schottet sich im Mangel noch mehr ab

Männer wandern meist ab, Frauen machen Vieh, aber allein wenig Lust, verkaufen die gespendeten Kühe
 
 

(Eva Weber, Vortrag im Oktober 01)