Wie andere Städte im sunnitischen Dreieck um Bagdad profitierten Falludscha und seine rund 300.000 Einwohner von der 23 Jahre währenden Herrschaft Saddam Husseins. Der gestürzte Präsident, selbst Sunnite, rekrutierte zahlreiche Offiziere seiner Republikanischen Garde aus dieser Gegend.
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| Im sunnitischen Dreieck westlich von Bagdad konzentriert sich der Widerstand |
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Wegen der zahllosen sunnitischen Gotteshäuser wird Falludscha im Irak auch die "Stadt der Moscheen" genannt. Die Bewohner leben überwiegend streng nach islamischen Regeln: Frauen sind auf den Straßen der Stadt 65 Kilometer westlich von Bagdad fast nie zu sehen. Falls sie sich doch zeigen, sind sie entsprechend der strengen islamischen Kleidungsvorschriften von Kopf bis Fuß bedeckt. Das Leben der Männer wird ebenfalls von der islamischen Tradition geprägt, die täglich fünf Gebete vorschreibt. Anders als im übrigen Irak wurde in Falludscha nie der Verkauf von Alkohol zugelassen. Die Kebap-Restaurants haben Gebetsräume und ein Großteil der männlichen Bevölkerung trägt Bärte als Zeichen strenger Religiosität. Nach einem Zwischenfall vor eineinhalb Jahren, als US-Soldaten das Feuer auf Menschenansammlungen vor der Stadt eröffneten, entwickelte sich Falludscha zum Zentrum des islamistischen Widerstands im Irak. Die Schlüsselereignisse der Krise: 29. April 2003: In Falludscha werden 16 Iraker getötet und 75 verletzt, als amerikanische Soldaten das Feuer auf Demonstranten eröffnen. Nach US-Angaben wurden die Truppen zuvor angegriffen. 1. Mai 2003: US-Präsident George W. Bush erklärt die Hauptkampfhandlungen für beendet. 13. Dezember 2003: Der gestürzte Staatschef Saddam Hussein wird in einem Erdloch entdeckt und gefangen genommen. 14. Februar 2004: Dutzende Aufständische stürmen eine Polizeiwache in Falludscha und töten 25 Iraker, die meisten der Opfer sind Polizisten. 31. März 2004: Bewaffnete greifen ein Auto mit vier amerikanischen Söldnern an. Ein wütender Mob schleift die Leichen der Männer durch die Straßen, zwei von ihnen werden an einer Brücke aufgehängt. 5. April 2004: US-Marineinfanteristen riegeln Falludscha ab, die Belagerung beginnt. In den folgenden Wochen wird die Stadt mehrfach bombardiert, dutzende Menschen sterben. Mehrere Waffenstillstandsverhandlungen scheitern. 1. Mai 2004: Unter internationalem Druck ziehen sich die 700 Marineinfanteristen zurück und übergeben die Stadt an eine neu formierte Falludscha-Brigade aus ehemaligen Offizieren Saddam Husseins. Die Brigade bleibt machtlos und die Stadt fällt an radikale militante Kräfte. 19. Juni 2004: US-Kampfflugzeuge bombardieren mehrere Gebäude, in denen sich Anhänger des jordanischen Extremisten Abu Mussab al-Sarkawi verstecken sollen. 5. Juli 2004: Bei einem Bombenangriff auf ein mutmaßliches Versteck der Sarkawi-Gruppe werden zehn Menschen getötet. Ministerpräsident Ajad Allawi erklärt, der Angriff habe auf irakischen Geheimdienstinformationen beruht. 29. - 30. Juni 2004: Bei Kämpfen in Falludscha werden etwa 20 Menschen getötet. August und September 2004: Zahlreiche Luftangriffe. Nach US-Angaben werden dabei im September mehr als 100 mutmaßliche Rebellen getötet. 13. Oktober 2004: Die irakische Führung droht mit einer Militäroffensive, sollte al-Sarkawi nicht ausgeliefert werden. Er gilt als Drahtzieher zahlreicher Anschläge und Enthauptungen. 15. Oktober 2004: Geistliche Führer der Stadt erklären, al-Sarkawi sei nicht in Falludscha. 30. Oktober 2004: Am Stadtrand werden acht Marineinfanteristen bei einem Autobombenanschlag getötet. Anfang November 2004: Die Luftangriffe nehmen zu. Der irakische Ministerpräsident Ajad Allawi sagt, das Fenster für eine Verhandlungslösung schließe sich. |