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PLANO COLOMBIA -  die  nordamerikanische Intervention in Amazonien und der Versuch Brasiliens, mit US-Unterstützung eine von den USA unabhängige Politik zu entwickeln

IM KOLUMBIANISCHEN KONFLIKT ÜBT BRASILIEN NEUTRALITÄT ZUGUNSTEN DES STÄRKEREN

Wie die New York Times Ende Oktober berichtete, sind brasilianische Truppen bereits offiziell in den bewaffneten Kampf verwickelt, der sich in Kolumbien abspielt. Nach einer Reise durch die Region berichtet der Reporter Larry Rohter, daß kürzlich eine Basis der brasilianischen Armee kolumbianischen Einheiten als Unterstützung und Etappe gedient hat, als diese ausgehend vom Ort Iauretê auf brasilianischem Staatsgebiet die von der kolumbianischen Guerrilla besetzte grenznahe kolumbianische Provinzhauptstadt Mitu zurückerobert hat. Der brasilianische General Alberto Cardoso, Leitender Minister des Kabinetts für Institutionelle Sicherheit der Präsidentschaft, hat die Episode teilweise gegenüber der brasilianischen Tageszeitung Folha de S. Paulo bestätigt. Nach seiner Aussage habe es sich um eine "humanitäre" Aktion zur Versorgung der zahlreichen, aufgrund der Kampfhandlungen in Mitu verwundeten kolumbianischen Soldaten gehandelt.

Aktionen der brasilianischen Streitkräfte zur Unterstützung der Streitkräfte Kolumbiens werden von verschiedenen Seiten berichtet. Ebenso existieren offizielle Erklärungen, in denen sich Brasilien besorgt über die durch die USA vorbereitete biologische Kriegsführung zur Zerstörung der kolumbianischen Kokainpflanzungen äußert. Doch die brasilianische Haltung in Bezug auf den Konflikt im Nachbarland, die bisher von einer schwankenden Neutralität gekennzeichnet war, hat sich angesichts der offensichtlichen US-Intervention über den sog. "Plano Colombia" eindeutig in eine Neutralität zugunsten des Stärkeren verwandelt. Die brasilianische Regierung versucht sich in dem Paradox,  mit Unterstützung der Amerikaner eine von den Amerikanern unabhängige Politik zu entwickeln.

Am 31. August konnte der brasilianische Präsident Fernando Henrique Cardoso zum ersten Mal die 12 südamerikanischen Präsidenten zusammenrufen, ohne daß die USA vertreten waren. Das Treffen diente der Integration zwischen Andenpakt (Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien und Ecuador) und  Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) und wurde von vielen ? z.B. von Hugo Chaves, Präsident Venezuelas ? als Suche nach einer gemeinsamen Position charakterisiert, die einerseits zu einer besseren Verhandlungsbasis der südamerikanischen Staaten gegenüber der Europäischen Union, und andererseits zur Stärkung ihres Widerstands gegenüber den US-amerikanischen Bestrebungen nach Einrichtung einer Panamerikanischen Freihandelszone (Alca) unter Führung der USA führen soll.

Das Treffen hatte noch eine weitere Bedeutung, und zwar die einer geschickten und kritischen Antwort Brasiliens auf den Plano Colombia. Wenige Tage zuvor nämlich hatte Andrés Pastrana, Präsident Kolumbiens, eine Abordnung Bill Clintons in Cartagena de las Indias, einer karibischen Küstenstadt empfangen. Es ging um die Abstimmung des US-amerikanischen Billionenplans, der offiziell der Bekämpfung des Drogenhandels dienen, in Wirklichkeit jedoch die kolumbianischen Streitkräfte in ihrem Kampf gegen die Guerilla und gegen deren Stützpunkte unter der Landbevölkerung unterstützen und trainieren soll.

Bereits die IV. Konferenz der Verteidigungsminister Nord- und Südamerikas, die Mitte Oktober im brasilianischen Manaus stattfand, hinterließ den allgemeinen Eindruck, daß die USA mit dem Plano Colombia ihren Fuß in das Amazonasgebiet gesetzt haben und dort "genau das tun werden, was sie wollen ", wie es ein brasilianischer Diplomat ausdrückte. Der stellvertretende US-amerikanische Verteidigungsminister, welcher in Vertretung von William Cohen am gesamten Treffen teilnahm, sagte nach Konferenzende hinter verschlossenen Türen, der Plano Colombia werde ungeachtet der Unterstützung durch die südamerikanischen Nachbarn in die Praxis umgesetzt ? eine Äußerung, die später durch den brasilianischen Verteidigungsminister Geraldo Quintão bestätigt wurde. Es ist offensichtlich, daß die US-Regierung dem Präsidenten Kolumbiens keine andere Möglichkeit als die der Zustimmung zu ihren Plänen einräumt. Derweil bemühte sich der brasilianische Präsident Fernando Henrique Cardoso in Manaus um den Nachweis, daß die brasilianischen Pläne für das Amazonasgebiet dem Plano Colombia nicht entgegenstünden. Cardoso wohnte in der Nähe von Manaus sogar der Simulation eines Überfalls seitens der brasilianischen Armee auf eine Guerillabasis bei, bei der kolumbianische Puppen die Guerilleros darstellten.

Die Informationen der New York Times deuten noch auf andere Aspekte des Versuchs der brasilianischen Regierung, ihre Anstrengungen zur Verteidigung Amazoniens mit den US-Plänen kompatibel zu machen. Der Artikel berichtet, daß das Projekt Sivam (System zur Überwachung Amazoniens) militärische Bedeutung gewonnen hat und daß Brasilien die hierdurch gesammelten Daten nicht nur den Nachbarländern, sondern auch den USA zugänglich machen wird. Und Bezug nehmend auf die Pläne der brasilianischen Regierung,  in den nächsten acht Jahren 3,5 Billionen US$ in die Neuausrüstung der Luftwaffe zu investieren, schreibt Larry Rohter, daß aus Surinam kommende und im brasilianischen Luftraum ausgemachte Kleinflugzeuge mit Waffenladungen in Kolumbien gelandet seien. Es kursiere das Gerücht, daß die Waffen für die  kolumbianische Guerrilla im Tausch gegen Drogen gedacht waren. Dieses Gerücht entstammt offensichtlich US-amerikanischen Quellen.

Laut New York Times ist Brasilien trotz entgegengesetzter offizieller Erklärungen bereits "am Rande in den kolumbianischen Konflikt verwickelt."
 

Quelle: Oficina de Informações/ dt. Bearbeitung: Mechthild Blumberg

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