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Die Politik der Flüchtlingslager

 

Hintergründe des Dreißigjährigen Krieges in Angola

Diese Papier wurde anläßlich des Unabhängigkeitstages der Republik Angola und der dazu stattfindenden Angola-Tage in Bremen im November 1998 zur Diskussion vorgeschlagen. Die Hauptkriegsursache, so die hier vertretene These, ist die Strukturpolitik der Neuordnung.
Das Papier ist damit zwar schon zweieinhalb Jahre alt; die allgemeinen Aussagen sind jedoch immer noch aktuell.

Gleichzeitig soll hiermit am Beispiel Angola der Forderung nach freiem Aufenthaltsrecht aller Flüchtlinge als hiesige Antwort auf die massiven Menschenrechtsverletzungen im angolanischen Bürgerkrieg Nachdruck verliehen werden.
Unterstützt die Anti-Landminenkampagne von medico!

Ein Mitglied des Panafrikanischen Forums Bremen Sept. 1998

Inhalt

 
 

Einleitung
Die Ziele des Krieges in Angola
Die entwicklungspolitischen Ziele
Das Binnenmarktprojekt
Ein kurzer Blick in die Geschichte
Vom Siedlerkolonialismus PortugalsÖ
Özur Krise des Entwicklungsmodells
Strategien der Subsistenz: kollektive Einkommenssuche zur Risikostreuung
Kampf um die Wiederaneignung des geraubten Reichtums
Die Hindernisse der Entwicklung nach westlichem Muster
Die politische Ökonomie der Flüchtlingslager
Krieg in Angola als Krieg gegen die Selbstversorgungslandwirtschaft,
als Angriff auf die sozialen Strukturen
Entwicklung in der Cunene Region in Südangola: Krieg und Vertreibung
für das Bewässerungs- und Ansiedlungsprojekt
Zusammenfassung der Beobachtungen
Der Verlust der Würde und des Respekts
Der Kampf um die Würde und um den Respekt
Literatur
Soziale Forderungen
 
 
 

Einleitung

Der Bürgerkrieg, der in Angola mehr als dreißig Jahre gedauert hat, war kein lähmendes Hindernis der Entwicklung, sondern funktionaler Bestandteil einer kapitalistischen Inwertsetzung dieses afrikanischen Landes. Die Kriegführung folgte, so die hier aufgestellte Kernaussage, den Erfordernissen europäischen und amerikanischen Kapitals, indem die Formen des Zusammenlebens und die Naturräume zuerst nacheinander zerstört wurden, um sie nach der Zerstörung nach ausländischen Bedürfnissen wiederaufzubauen. Allgemein sind Kriege nichts völlig irrationales, sondern in ihren Ursachen und Zielen verstehbar und benennbar. Sie sind kein Ausnahmekapitel der Geschichte der Menschen, sondern logische Konsequenz dessen, was mit friedlichen Mitteln nicht zu erreichen war. Der Krieg in Angola schien auf den ersten Blick niemandem zu nützen. Dies möchten wir im folgenden bestreiten. Krieg, Frieden, Frontverlauf und Waffenstillstandsvereinbarungen besaßen zum einen ihre Eigendynamik, zum anderen jedoch ergeben sie sich aus den Interessen der Konfliktparteien.
Diese Konfliktparteien waren nicht in erster Linie die MPLA und die UNITA, deren Armeen aufeinander schossen. So wollte es zwar die Inszenierung des Konfliktes, der vor dem Hintergrund der bisherigen ideologischen Blockkonfrontation des Kalten Krieges als "Stellvertreterkrieg" der Großmächte verschleiert werden konnte. Es wurde aber real Krieg geführt, und zwar nicht stellvertretend, sondern von den alten und neuen Kolonialmächten (Portugal, Südafrika, die USA und Frankreich; früher auch die Sowjetunion), den besitzenden Klassen und Neureichen in den Städten, die mit den Großmächten zusammenarbeiten, gegen die verarmten Unterklassen in den Städten und auf dem Land. Dieser Konflikt ist ein fortgesetzter sozialer Krieg, der in allen gesellschaftlichen Bereichen bis heute stattfindet und oft quer zu allen möglichen parteipolitischen Zuordnungen und Stellungnahmen verlief und verläuft.
Nun zu behaupten, der Krieg werde in Angola primär ums Erdöl geführt, hinterläßt eine Leerstelle bei der Frage, warum dann der Krieg so lange gegen die Bevölkerung im Hinterland geführt wird, in dem es überhaupt kein Erdöl, aber ein "großes Agrarpotential" gibt. Hier sucht das vorgelegte Diskussionspapier nach Antworten.
Ein Guerillabündnis unter Führung der früher marxistisch-leninistischen MPLA hatte in 13 jahrelangem Guerrillakampf die Unabhängigkeit von den Portugiesen erkämpft. In der offenen Situation von 1974 traten die Gegensätze des Zweckbündnisses zwischen MPLA, UNITA und FLNA offen zu tage und wurden bald in einen Krieg gegeneinander gewendet. Die MPLA wurde von den Sowjets und Kubanern unterstützt, die UNITA und die FNLA von Südafrika, von US-imperialistischer Seite und von Diktator Mobutu instrumentalisiert. Die UNITA übte sich in einem Terror gegen die Zivilbevölkerung, die MPLA im Aufbau eines "sozialistischen" Staatsapparates. Beides war ebenso verheerend wie erfolglos. Die Sowjets hatten dabei zu Angola ein genauso koloniales Verhältnis wie der Westen, denn ihr Sozialismus stellte ja nur die östliche Variante des Modells staatskapitalistischer Entwicklungspolitik dar.
So, wie der Krieg nach dem Waffenstillstand im Mai 1991 und nach den ersten freien Wahlen im September 1992 in Angola wieder ausbrach, ist sein wahres Gesicht, nach dem Ende der Sowjetunion, offener denn je zutage getreten:
Weil die unblutige Entwicklungspolitik auf soziale Blockierungen stieß, treibt das Kapital seine Modernisierungsimperative im Medium des Kriegs durch alle sozialen Bereiche.
Der militärische Krieg ist Teil und Fortsetzung der Entwicklungspolitik, Teil des sozialen Kriegs wertschöpfender Unterwerfung. Entlang der Konfliktlinien der Rationalisierung des sozialen Kommandos in »Produktion« und »Reproduktion(sarbeit)« entfaltet sich auch revolutionäre Gegenmacht.
Der Krieg wurde dann auch nicht mehr in jahrzehntelangen Scharmützeln geführt, sondern als Blitzkrieg mit hohem Tempo und umfassenden Zerstörungen. Seit 1974 sind in Angola über 300.000 Kriegs- und Hungertote zu beklagen. Der Sozialwissenschaftler und unabhängige Berater von humanitären Organisationen David Sogge schätzt die Zahl der Kriegs- und Hungertoten allein seit 1992 auf über 100.000 (Andere Autoren schätzen die Zahl der Kriegs- und Seuchenopfer noch höher).
1992 hat die MPLA das Ziel aufgegeben, einen sozialistischen Staat aufzubauen. Nach dem Beitritt zum Internationalen Währungsfonds 1989 folgte sie seinen Forderungen, ein Strukturanpassungsprogramm umzusetzen. Doch die Sparpolitik kann nur mit Aufstandsbekämpfung in den Städten an der Küste durchgehalten werden. MPLA und UNITA verhandeln über einen stabilen Frieden, doch hinter den Kulissen gab und gibt es mit Sicherheit Absprachen über die Neuordnung der Wirtschaft, beispielsweise den Außenhandel.
Inzwischen haben sich beide Seiten ihrer ideologischen Bindungen entledigt und kämpfen militärisch allein um die Kontrolle der Ressourcen und der Bevölkerung. Die MPLA hat sich von der Sowjetunion und Rußland ab- und den USA zugewandt. Die UNITA wird von den USA bekämpft und ist in sich gespalten in eine Fraktion um Jonas Savimbi und eine Gruppierung, die mit den kongolesischen Rebellen Rassemblement Congolaise pour la Démocratie (RCD) zusammenarbeitet. Es gibt weitere kleine Oppositionsparteien, die jedoch keine Macht ausüben können. Sie bilden sich zum Teil um den neuen Mittelstand und die Händler. Neben der katholischen ist auch die protestantische Kirche von Einfluß.

Im folgenden geht es mir darum, den dreißigjährigen Krieg in Angola von seinem Ablauf her zu verstehen. Ich trete dafür ein, daß die Gegnerschaft zwischen UNITA und MPLA (und der FNLA) als ideologische bezeichnet und im Ergebnis von den die Bevölkerung betreffenden praktischen Auswirkungen her als Zusammenarbeit gesehen wird.

Ihre gemeinsamen entwicklungspolitische Interessen waren
- die Durchsetzung eines starken stabilen Staates, der das Gewaltmonopol hat (aufgebaut im Namen des Sozialismus);
- die Schaffung eines standardisierten Marktes im Landesinneren, angeordnet nach europäischen Effizienzkriterien. Das heißt: Sicherung des Zugriffs auf Angolas Rohstoffe für den Unterhalt der Industriegesellschaften des Nordens. Und die Neuordnung der Landwirtschaft: dabei schien es unvermeidlich, die Bevölkerung von ihrem unmittelbaren Zugang zu ihrem Land zu trennen; dieses wurde als landwirtschaftliche Nutzfläche in den Planungen einbezogen: statt Selbstversorgung sollte der Landwirt als Unternehmer Agrarprodukte nach Norm liefern, die die Nahrungsmittelindustrie verarbeitet und die so hergestellten Lebensmittel an die Konsumenten verkauft. Zwischen Anbau, Ernte und Zubereitung für den Eigenbedarf und dem gelegentlichen Verkauf auf dem Markt tritt also die industrialisierte Verarbeitung dazwischen. Der Vorgang selbst der Trennung der Menschen von ihrem je unterschiedlichen Zugang zum eigenen oder gemeinschaftlichen Land ist höchst gewaltsam und ist der Kern der kriegerischen Modernisierung und Standardisierung Angolas wie derzeit der meisten anderen Gesellschaften Afrikas.
- die Durchsetzung einer stabilen Armee, die erst einmal von zwei Gegnern im Krieg rekrutiert werden mußte, um später nach Friedensschlüssen vereinigt werden zu können;
- die Durchsetzung einer Repräsentativ- und Parteiendemokratie gegen die Formen der Einigung im Konsens und der Formen des imperativen Mandats an den jeweiligen Patron: Formen der Austragung von Politik, die in den lokalen Gemeinschaften neben der autoritären Anordnung durch die Chefs immer auch vorhanden waren. Statt dessen soll die Politik durch Wahlen besser legitimiert werden, auch wenn das Prinzip repräsentativer Wahlen eher der Etablierung einer Elite förderlich ist als der Änderung der Ursachen der Ungerechtigkeit.

Hier ist zu fragen, welche Gesellschaften aus der Vielfalt der Völker Angolas besonders betroffen oder gar ausgelöscht worden sind. Ein Forschungsthema wäre, inwieweit sich Forschungsberichte über die betreffenden Ethnien, die diesen entsprechende Rückständigkeit andichteten, mit der späteren Kriegführung übereinstimmten. In Deutschland im Dritten Reich gab es auch Regionen, in denen die Landbevölkerung ihre demokratischen Traditionen in Widerstand gegen das Regime wandte. Diese Spurensuche würde auch eine anteilnehmende Trauerarbeit und einen subjektiven Zugang zu einer angolanischen Aufarbeitung des Konfliktes erleichtern. Der Verfasser dieser Schrift kann das nicht leisten, allerdings rein aus Unkenntnis der vielfältigen lokalen Verhältnisse.
In der Tat haben UNITA und MPLA inzwischen gemeinsam etwas geschaffen:
Es gibt einen bürokratischen Apparat, der regelt, wer wann etwas einkaufen und verkaufen kann und zu welchen Preisen. In den Städten sah das für einige Zeit so aus, daß über die Vergabe von Lebensmittelkarten der Zugang zu Grundnahrungsmitteln geregelt wird. In der Praxis bekamen diejenigen, die loyal zu den Parteikadern waren, leicht mehr zu essen, als diejenigen, die keine Beziehungen zu den Kadern hatten oder keine solchen unterhalten wollten. Daneben gibt es zahllose Schwarzmärkte , ohne die die Bevölkerung nicht überleben könnte.
Die UNITA hat derweil dafür gesorgt, daß der Abbau des Erdöls und der Diamanten in den Regionen, die sie mit ihren Waffen hält, auch garantiert an die wenigen amerikanischen und westeuropäischen Konzerne geht, die an der Ausbeutung des Landes interessiert sind. Sie sind gewissermaßen die Wachmannschaft des Abbaus und Schmuggels der Bodenschätze.
Im ganzen Land wurden in den vergangenen dreißig Jahren Krieg und wieder verstärkt seit 1992 über eine Million Menschen im Landesinnern vertrieben. Die Zahl der AngolanerInnen im Ausland (Zaire/Kongo, Sambia, Westeuropa, Südafrika) schätzt Sogge auf 400.000. Was noch schlimmer ist: die meisten von ihnen sind in Lagern eingepfercht und können nicht fliehen. Sie sind auf die internationalen Nahrungsmittellieferungen angewiesen. Diese Lieferungen stammen von Organisationen wie dem World Food Council (WFC), dem World Food Programme (WFP) und dem Roten Kreuz, die in den 80er Jahren selbst an der Handels- und Entwicklungspolitik wesentlichen Anteil hatten.
Die meisten Flüchtlinge sind Bäuerinnen und Bauern mit ihren Familien. Sie können nicht zu ihren Siedlungen und auf ihre Felder zurück, weil diese vermint sind. Zehntausende sind auf dem Weg zu ihren Feldern auf Minen getreten und starben oder wurden dabei verstümmelt.
Angola ist mit 1,6 Millionen km2 4,5mal so groß wie die neue BRD. Zwei Drittel dieses riesigen Landes waren am Ende des Krieges vermint. Die Minen sind fast alle aus Europa. Einige Schiffe voll Waffen und Minen wurden auch in Bremen verladen.
Die Hilfslieferungen kamen jedoch nur zu einem kleinem Teil in den Lagern an. Sie wurden abgezweigt von MPLA-Kadern und der Verwaltung, um die Fabrikarbeiter in den wenigen Fabriken des Landes zu ernähren (Sogge 1994, 99). Oder sie gingen direkt an die UNITA, deren Führer die Lebensmittel an diejenigen weitergaben, die ihnen gegenüber loyal sind. Allgemein werden in den Lagern auch nur die versorgt, die sich in die Hierarchie des Lagerkommandanten einfügen - wenn die Transporte nicht gerade von bewaffneten Banden überfallen werden. Der "Rest" hungert oder stirbt an Krankheiten.

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Die Ziele des Krieges in Angola:

Diese ganze furchtbar grausame Politik hat den folgenden Zweck:
die Bauernfamilien sollten von ihrer Ernährungsgrundlage, dem Land, getrennt werden, um sie später auf einem neu "verteilten" Land nach kapitalistischen Maßstäben wieder anzusiedeln.
Um mehrere hunderttausend Menschen umzusiedeln braucht man aber einen funktionierenden Staatsapparat. Wenn es den gar nicht gibt, muß man ihn erst aufbauen.
Dazu braucht man zwei gegnerische Armeen, die sich gegenseitig bekämpfen, um aus der Landbevölkerung Männer als Soldaten zu rekrutieren. Diese treiben die Bauern in Flüchtlingslager, die sonst keinen Grund hätten, ihre Siedlungen zu verlassen. Die vorher unabhängigen Bauern werden so abhängig gemacht: in den Lagern sind sie auf die Nahrungsmittel"hilfe" angewiesen. Das lohnt sich, wenn man bedenkt, daß freie Bauern in Zeiten guter Ernte nicht auf den Markt angewiesen sind, also keine Lebensmittel zu überhöhten Preisen kaufen würden. Werden jedoch nicht permanent Lebensmittel auf dem Markt angeboten, dann reicht die Gewinnspanne nicht aus für die Entstehung einer Klasse von Zwischenhändlern. Gibt es so viele Produzenten wie Konsumenten, dann rückverteilt sich das Einkommen aus dem am Markt verkauften Surplus. Die Einkommensunterschiede und Surplusunterschiede sind zu gering und vorübergehend, um eine Klassengesellschaft entstehen zu lassen. Bieten die Bauern nur selten auf dem Markt an, so haben sie außerdem kein Geld, um Steuern zu bezahlen und Waren einzukaufen. Die Lieferungen der Nahrungsmittel"hilfe" jedoch bestehen aus einem Angebot, das wie eine Subvention einen Preisverfall unter den lokalen noch nicht vertriebenen Anbietern bewirkt. Die Importe sind insofern eine klassische "Weizenwaffe" gegen die Verbindung zwischen Bauern und Guerilla, als mit ihnen die bewaffneten Banden (Armeen) versorgt werden können, auch wenn sich die Bauern weigern sollten, ihre Früchte herzugeben.
Zum andern ist es nicht möglich ohne Steuern einen einheitlichen Staat zu finanzieren. Die Kader der MPLA lebten daher von der sowjetischen Finanzhilfe und den Devisen aus dem Erdöl (während kubanische Truppen die Bohrinseln von US-Konzernen schützten).
Die Führer der UNITA lebten vom Verteidigungsetat der USA und von Spendensammlungen erzreaktionärer evangelikaler Kirchen in den USA (Linda Heywood 1989).
Diese vorübergehende Nahrungsmittel"hilfe" ist Teil einer hochabsichtsvollen Strategie, in Angola den Markt nach westlichem Muster durchzusetzen. Zuerst werden die mit Tauschhandel durchwachsenen Märkte getrennt: auf den Märkten in der Stadt gibt es inzwischen für die besonderen Leute gute Lebensmittel, aber teure. Die Markttische biegen sich. Für die große Mehrheit der nach Luanda, Uìge oder Huambo Geflohenen sind diese Preise aber unbezahlbar. Für sie gibt es andere Märkte, auf denen diese Klasse der Armen für einen anderen Deal überlebt: Nahrung gegen Drogen, Lebensmittel gegen Prostitution. Und da sie, die Unterklasse, nur schwarz handeln kann, lebt und handelt sie in ständiger Gefahr, bei einer Razzia erwischt zu werden.
Dabei ist die vielleicht am schwersten erkennbare, jedoch wichtigste Tatsache die, daß diese Abriegelung der Märkte von allgemeinem Zugang des Volkes Teil der staatlichen Entwicklungspolitik ist, daß sie nur im Rahmen des Krieges und der damit gesenkten Bedürfnisse möglich ist und, daß sie Teil der Nahrungsmittelpolitik der EU und der FAO ist: diese verlangen Einfuhrbestimmungen, die ihnen billige Importe ermöglichen (FAO = Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom).
Die Märkte werden also zuerst getrennt, um sie später über Gebühren und Marktbestimmungen wieder zu vereinheitlichen. Erst wenn sich die praktisch enteigneten Bauern auf ihren früheren Feldern als LandarbeiterInnen wiederfinden, kann daran gedacht werden, die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft so zu stabilisieren, daß sie auch ihre Lebensmittel einkaufen müssen.
Währenddessen ist die angolanische Regierung froh, mit dem Export aus seinen Kornkammern (der Cunene-Region im Süden zum Beispiel) ein paar Devisen zu erwirtschaften, um die seit dem Fall des Erdölpreises 1986 rasch gestiegenen Auslandsschulden zumindest teilweise zu bestreiten.
Es war schon eine ganz richtige Haltung der Bauern, daß in den Zeiten der Not das Korn die Region nicht verläßt. Eine Haltung, die in den antiimperialistischen Widerstand führte.
Doch genau diesen Begriff des Antiimperialismus benutzte die MPLA, um ihre staatliche Entwicklungspolitik zu legitimieren. Währenddessen trug sie gemeinsam mit der UNITA dazu bei, in Angola die Zweiklassengesellschaft durchzusetzen.
Mit diesem Krisenszenario aus Krieg und humanitären Hilfslieferungen, Flüchtlingslagern und Verteilungskämpfen droht sich eine Struktur durchzusetzen, die dem brasilianischen Modell ähnlich werden könnte: die Kombination aus Großgrundbesitzern und Berufskillern. Eine Ordnung der Barbarei, die mit dem Schutz der Waffen Auslandsinvestitionen garantiert, während die sozialen Beziehungen, der alltägliche Austausch völlig militarisiert und verroht werden, die Frauen zur Ware werden und den Lagerinsassen klar gemacht wird, daß sie überflüssige Menschen seien.
Die Ansprüche der verarmten Unterklasse Angolas auf Frieden, Gesundheit, Unversehrheit und Einkommen bilden jedoch den Inhalt einer Rechnung, die nach wie vor offen ist. Demonstrationen in den Städten, die angesichts des provozierenden Reichtums mit der Plünderung von Lebensmittellagern enden, sind logische Konsequenz dieser Politik.

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Die entwicklungspolitischen Ziele


Das Interesse des Westens und Südafrikas an Angola ist ein ungebrochen koloniales:
In einer Veröffentlichung bezeichnen Kuder und Möhlig (1994) das ausländische Interesse an Angola als groß: "Mit seinen potentiell reichen Ressourcen an Bodenschätzen, Energiequellen und agrarischer Produktion dürfte es zukünftig nach der Republik Südafrika zum zweit wichtigsten Weltwirtschaftspartner in der Großregion Südliches Afrika aufsteigen" (vgl. auch Kuder 1991).
Es geht dabei um Erdöl und Diamanten, aber auch um zahlreiche zu verarbeitende Rohstoffe wie Baumwolle, Sisal und Ölpalmen. Es bedurfte auch der Arbeitskraft, die aus der Selbstversorgungsökonomie herausgelöst werden mußte. Unter Salazar wurde nach dem 2. Weltkrieg eine Siedlerkolonie aufgebaut, um die weiße Mittelklasse mit den Aufgaben der Landesführung zu betrauen und um die schwarze Arbeitskraft zu kontrollieren. Mit dieser Siedlungspolitik änderte sich die Angola zugewiesene Rolle: nicht mehr allein als Lieferant von Rohstoffen, sondern als Standort der Produktion für den Weltmarkt sollten Angolas reichhaltige Bodenschätze an Ort und Stelle verarbeitet werden. Mit dem Befreiungskampf war diese Entwicklungspolitik seit den 60er Jahren in ihre bisher schwerste Krise geraten.
Inzwischen wird Angola, vor allem seit den Wahlen von 1992, eine wichtige Rolle im Rahmen eines Binnenmarktes im Südlichen Afrika zugedacht. Dieses Vorhaben veranlaßt die europäischen Mächte und die USA auf eine schnelle Befriedung und eine sogenannte Demokratisierung zu dringen. Die Transformation im Medium des Krieges muß also zu einem Abschluß kommen. Die Karten der Machtverteilung, so scheint es, werden nun in den 90er Jahren neu gemischt. Mögen sie auch nicht wie aus einem Guß erscheinen, so zielen doch viele politische Strategien der USA, Südafrikas und der Länder der Europäischen Union darauf ab, mit Angeboten und dem Dringen auf Demokratie- und Menschenrechtsstandards sich selbst als legitime Akteure darzustellen. Das sieht dann so aus, daß amerikanische Unterhändler die Führung der UNITA darauf drängen, die Gefechte einzustellen, an Wahlen teilzunehmen und deren Ergebnisse zu akzeptieren. Wer die Sache der Menschenrechte unterstützt und Gelder für den Wiederaufbau anbietet, erscheint mit guten Absichten, sogar als Hoffnungsträger oder Rettungsanker, als verständnisvoller Außenstehender in einem Meer von Chaos und Verteilungskämpfen im Landesinneren.

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Das Binnenmarktprojekt


Das transnationale Kapital drängt seit Anfang der 90er Jahre auf eine Entwicklung der Region Südliches Afrika zu einem Binnenmarkt nach dem Muster der Europäischen Union. Wichtiges koordinierendes Gremium ist dabei die Southern African Development Coordination Conference (SADCC; heute SADC). Sie soll für ihre Mitgliedstaaten Südafrika, Botswana, Zimbabwe, Zambia, Angola, Mozambique Richtlinien für gemeinsame Entwicklungsvorhaben und Strategien formulieren.
Nun werden nicht mehr nur Wanderarbeiter nachgefragt, die für eine Saison gebraucht werden, sondern es bedarf der gebildeten Arbeitskraft, die sich dauerhaft vernutzen läßt. Zu diesem Projekt eines Binnenmarktes im Südlichen Afrika gehören in Angola der Ausbau der Infrastruktur für den Transport der Rohstoffe aus Zambia und dem Südosten Zaire/Kongos (namentlich das Kupfer), der Aufbau der Wasserenergie, die Plantagenwirtschaft nach brasilianischem Vorbild und der Tourismus. "Richtige" urbanisierte Städte und eine andere Form der Arbeitsteilung in der Produktion erscheinen dabei als strukturelle Voraussetzungen, um überhaupt Technologie ohne zu großes Risiko zum Einsatz bringen zu können.
Teil des Binnenmarktvorhabens ist eine Arbeitsteilung zwischen den Ländern und Regionen unter Führung der Republik Südafrika: aus Angola, Zimbabwe, Zambia, Botswana und Mozambique werden Zulieferregionen für halbfertige Produkte, Früchte aus der Plantagenwirtschaft. Angola wird dabei besonders als Lieferant von billigen halbausgebildeten Arbeitskräften, von Erdöl und als Stromlieferant interessant. In Südafrika waren diese beiden "Grundnahrungsmittel" des Kapitals im Lauf der 80er Jahre in die Krise geraten: auf dem Weltmarkt wurden immer mehr Produkte aus energieintensiver Herstellung nachgefragt. Das südafrikanische Kapital betrieb jedoch bis in die 80er Jahre hinein Importsubstitution, es blieb auf den Abbau von Edelmetallen begrenzt, sein Maschinenbausektor geriet in den technologischen Rückstand. Die importabhängige Wirtschaft Südafrikas hatte einen kleinen und instabilen Kapitalmarkt und konnte daher das Wohlstandsniveau auch nur durch die zahlreichen bilateralen Abkommen mit den SADC-Nachbarn sichern. In der Konsequenz heißt das: will Südafrika sich einen Platz auf dem Weltmarkt erhalten, so muß es mit HighTech-Produkten nachziehen. Dazu braucht es billigen Strom - aus Angola. Dort sind für die Zukunft Staudammprojekte vorgesehen (vgl. Weimer 1991, Kuder 1991).
Das "andere" Problem Südafrikas waren und sind die Arbeitskräfte: mit ungezählten Streiks und Aufständen trieben die Schwarzen Südafrikas nicht nur auf der politischen Ebene die Apartheid in die Krise. Auch nach dem friedlichen Übergang zur schwarzen Mehrheitsregierung ist in Südafrika kein Ende der Klassenkämpfe in Sicht: der seit Monaten (1996/97) anhaltende landesweite Steuerboykott in den schwarzen Stadtteilen im Witwatersrand reißt Löcher in die Haushalte der Gemeindeverwaltungen und zeigt, daß die Kosten der Entwicklung nicht ohne Weiteres auf die Steuerzahler abgewälzt werden können.
Das Binnenmarktprojekt Regionalintegration Südliches Afrika bedeutet für Angolas Bevölkerungsmehrheit eine Festschreibung der Ungleichheit, eine Staffelung des Zugangs zu Einkommen und des Lebensstandards. "Regionalintegration" ist nur eine beschönigende Propagandaformel für dieses Modell abhängiger Entwicklung. Notwendige Voraussetzung für diese Interessen ist ein sicherer Zugang zu den Welthäfen und ein ungestörter Betrieb der Transitstrecken, nicht zuletzt die Angola von Osten nach Westen durchlaufende Benguela-Bahn.
Ein solches Projekt des Aufbaus einer Ordnung, die der Wertschöpfung dient, bezeichne ich als kapitalistische Inwertsetzung. Ich möchte im folgenden zeigen, warum dazu die Umstrukturierung der angolanischen Bevölkerung durch Krieg notwendig wurde.

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Ein kurzer Blick in die Geschichte


Angola hat eine Fläche von über 1,2 Millionen km2 ; die rund 10 Millionen Einwohner gehören zahlreichen ethnischen Gruppierungen an. Sie lebten in einem Nebeneinander großer Königreiche und freier Bauern, von Viehzüchtern wie Jägern und Sammlern.
Bereits 1482, also vor der Entdeckung Amerikas, gelang es den Portugiesen, an der Kongomündung Fuß zu fassen.
Ab dem 16. Jahrhundert war Angola eines der ersten und wichtigsten Herkunftsländer der Sklaven. Einige der im 17. Jahrhundert entstandenen großen Königreiche wurden als Vasallen an die portugiesische Krone gebunden.
Die Sklaverei hinterließ bei einem großen Teil der Gesellschaften Angolas weitreichende Zerstörungen. Die Folge war ein weitgehender Verlust an Legitimität der angolanischen Herrscher, denn sie hatten ihre eigene Bevölkerung an die Weißen verkauft.
Die Antwort war nicht selten ein Aufstand, in dem die Basis ihre eigenen Chefs zusammen mit den weißen Elfenbein- und Sklavenhändlern verjagte (so beschreibt es Clarence-Smith 1987).
Nach der Abschaffung der Sklaverei (1815 und endgültig 1854) zielte die Kolonialpolitik auf die Errichtung von Plantagen und weißen Siedlungen, die Besteuerung und Rekrutierung schwarzer Arbeitskraft. Die Sklaverei ging so nahtlos in die Zwangsarbeit über, mit der öffentliche Infrastruktur aufgebaut wurde (vgl. Bender 1978; Meyns 1993).
Doch dieser Handels- und Exportkapitalismus blieb nicht unverwundbar. Der Widerstand gegen die Versklavung, Besteuerung und Zwangsarbeit (z.B. gegen den Eisenbahnbau) zwang die Portugiesen häufig zu Rückzügen.

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Vom Siedlerkolonialismus PortugalsÖ


Nach der Berliner Konferenz griff Portugal in den 1880er Jahren zum Mittel der militärischen Invasion, um die sich seit den 1860er Jahren abzeichnende Auflösung der angolanischen und Vasallenkönigreiche aufzuhalten. Praktisch konnte Portugal jedoch nur die küstennahen Gebiete kontrollieren.
In den Jahrzehnten zwischen 1910 und 1960 betrieb Portugal, v.a. unter Salazar, die aktive Ansiedlung von Europäern, den Aufbau einer Industrie und eine Plantagenwirtschaft (entsprechende Kolonialliteratur erschien wie Araujo 1964; Guerreiro 1958; Kuder 1955; Pössinger 1966).
Seit 1961 regte sich jedoch offener Widerstand: nach einem Massaker an der Zivilbevölkerung ging die 1955 gegründete Volksbefreiungsbewegung MPLA zur Guerrilla über. Diese Kämpfe sind ausführlich beschrieben worden von Andrade 1971, Decke 1981 und Pélissier .
Der antikoloniale Kampf läßt sich auch verstehen als Verstärkung des Klassenkampfs (in allen seinen Formen) angesichts der militärischen Besetzung.
Die portugiesische Kolonialverwaltung reagierte auf den antikolonialen Kampf mit dem Programm des Reordenamento Rural 1961 - 1969: Angolaner wurden dabei in Arbeitslager zusammengetrieben, aus denen "geschützte Dörfer" errichtet wurden - wobei es um den Schutz der schwarzen Arbeitskraft vor den Impulsen und der Gerüchteküche des Aufstandes ging. Sogge (1994) schreibt, daß in den frühen siebziger Jahren bis zu einer Million AngolanerInnen, fast ein Viertel der ländlichen Bevölkerung in diesen Wehrdörfern zusammengetrieben worden seien (Parallelen zu den Maßnahmen des türkischen Militärs gegen die Kurden).
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Özur Krise des Entwicklungsmodells


Mit dem Sturz Salazars war auch der Weg frei für die Unabhängigkeit Angolas und Mozambiques. Die MPLA-PT erklärte Angola zur Volksrepublik und den Aufbau des Sozialismus gemäß der Ideologie des Marxismus-Leninismus als Ziel. Getragen wurde diese Politik jedoch schon seit den 60er Jahren vor allem von den "Assimilados", den ArbeiterInnen und Gebildeten in den Städten. Der antikoloniale Befreiungskampf erfaßte dagegen alle Landesteile: die wesentlichen Aufstandsregionen waren der Norden und der Osten des Landes, die Guerillaorganisationen waren die UNITA und die FNLA.
Der Befreiungskampf hatte vor allem nach seinem Erfolg drastische Auswirkungen auf das Entwicklungsmodell der Portugiesen: das Produktivitätsniveau der viel gelobten portugiesischen Plantagenwirtschaft ging rasant zurück und die Selbstversorgungswirtschaft dehnte sich wieder aus. Dies war nur die logische Folge des Abzuges der portugiesischen Siedler und des Abzugs der im Export tätigen Gebildeten - allesamt Portugiesen - und des Verfalls der von den Portugiesen hierarchisch angelegten Märkte auf dem Lande: das von ihnen errichtete Export-, Produktions- und Vermarktungssystem wurde schlicht nicht weitergeführt (Sogge 1994, 94. Sämtliche Statistiken zur wirtschaftlichen Entwicklung markieren 1973/74 einen Bruch).

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Strategien der Subsistenz: kollektive Einkommenssuche zur Risikostreuung


In der Landwirtschaft dreht sich erst einmal alles um die Sicherung der Ernährung der Familie. Jedes Familienmitglied wird zu den Arbeiten herangezogen, die anfallen, soweit es körperlich dazu schon in der Lage ist. Die meisten bäuerlichen Familien in Angola sind bereits in die Geldwirtschaft integriert. Die Sicherung der Ernährung ist heute für die meisten davon abhängig, ob sie ein Geldeinkommen erwirtschaften können. Da es jedoch ein altes Prinzip ist, nicht einen einzelnen alle Arbeiten alleine machen zu lassen, sondern immer zu schauen, wer mithelfend zur Hand gehen kann, versuchen alle Familienmitglieder stets, beständig etwas zum Familieneinkommen beizutragen. Dieses Prinzip der Verteilung der Lasten wird auch in die Bereiche der Moderne hineingetragen und fortgesetzt.
Die Feldarbeit ist, weil sie mühselig und beschwerlich ist, mit vielen Pausen oder mit Gesprächen durchsetzt, oder sie wird mit Gesängen begleitet, damit sie nicht so anstrengend ist. Welche Arbeiten die Frauen zu tun haben und welche die Männer, ist nach strenger Hierarchie festgelegt. Am allerwichtigsten ist der unbedingte Gehorsam der Kinder gegenüber den Erwachsenen, den eigenen Eltern wie den Ältesten. Schließlich hat die Mutter, die einen geboren hat, viel für einen getan, bevor man überhaupt schon in der Lage war, ihr dies zu erwidern. Man sind daher moralisch dazu verpflichtet, ihr dies irgendwann einmal auszugleichen. Damit entsteht ein dichtes Netz wechselseitiger Verpflichtungen.
Nach diesem Prinzip der allgemeinen Gegenseitigkeit wird die Arbeit auf alle verteilt (die nicht krank sind), und wer viel Geld erworben hat wird auch gefragt, ob er (oder sie) einmal ein großes, d.h. seinem Wohlstand angemessenes Fest ausrichtet und umgekehrt, wenn man jemandem gibt, der einen um Rat oder um eine Sache bittet, auch um Lebensmittel in Zeiten der Not oder darum, mitzuhelfen, dann schon in der Erwartung, diesen selbst einmal fragen zu können, wenn er einmal mehr hat und man selbst arm dran ist. Es gibt eigentlich niemanden, der Reichtum anhäufen kann, ohne daß irgendwann bestimmte Leute anfangen, darüber zu diskutieren. Wer eine besondere Gabe hat, wird dafür auch Wert geschätzt, sein Fleiß zum Beispiel ist Wert - nicht nur für sich, sondern ein Segen für die Gemeinschaft.
Diese Regeln und hierarchischen Anordnungen sind allerdings keineswegs so festgefügt gewesen, wie der Begriff der "afrikanischen Tradition" es nahelegt. Dem Kommandoton, mit dem ein Mann seine Ehefrau(en) kommandieren mag, stand und steht eine Autonomie von Frauen gegenüber, die es ihnen ermöglicht, sich untereinander über allzu derbes Auftreten ihrer Männer auszutauschen. Ihr Austausch in Abwesenheit der Männer muß von diesen respektiert werden. Es gibt sowieso einige Bereiche, die die Männer und Frauen je für sich organisieren. Das ist auch in ganz Afrika zu beobachten. Diese Form der sozialen Kontrolle garantierte also immer auch eine Balance zwischen Hierarchie und Autonomie.
Auf den Markt gebracht wird, was in einer guten Ernte an Überschüssen anfällt, und eingekauft wird, was man nicht selbst herstellen kann oder in Zeiten der Not, was an Lebensmitteln notwendig ist, um satt zu werden. Wenn keine Notzeit ist oder, wenn man keine Überschüsse hat, muß man nicht zum Markt gehen. Es ist aber auch von Bedeutung, auf dem Markt die neuesten Nachrichten mitzubekommen. Also geht man auch zum Markt, ohne unbedingt etwas einkaufen oder verkaufen zu wollen.
Wenn in der Folge schlechten Wetters die Ernte schlecht ausgefallen ist, so werden die jungen Männer zu einem wohlhabenden Bauern geschickt, um bei ihm für Lohn zu arbeiten. Oder sie gehen in die Stadt, um etwas zu verkaufen: an einem Tag mögen dies kleine Fladenbrote sein, die den Reisenden an einem Bahnhof oder an einer Busstation angeboten werden, oder eine kleine Anzahl von Waren wie Radios, Kunstschnitzereien aus eigener Herstellung, die z.B. Touristen angeboten werden. Die Frauen und Mädchen stellen Lebensmittel zum Verkauf her, oder sie helfen beider Ernte eines Nachbarn. Es gibt eigentlich viele Möglichkeiten, sich im Handel, mit der Herstellung von Kleidern, als Reiseführer u.a. ein Einkommen zu verdienen, das das eigene Überleben sichert. In guten Jahren gehen viele in die Stadt gekommene junge Leute (v.a. Männer) wieder aufs Land zurück, um den Eltern zu helfen, erworbene Güter und Nachrichten mitzubringen.
Um Armut zu vermeiden, versuchen alle Familienmitglieder, sich am Gelderwerb zu beteiligen, und sei das Einkommen noch so vorübergehend und klein. So gehen sie zwar individuell ihre Wege, doch zumindest ein Teil des eigenen Einkommens wird umgelegt und verteilt unter den Angehörigen.
Mit der Einkommensstreuung wird auch das Risiko gestreut, einen Verdienstausfall zu haben. Nicht ein Familienvater arbeitet die ganze Zeit und ernährt die ganze Familie, sondern alle versuchen, auch während einer Ausbildung, ein Einkommen zu beschaffen. Dieses Verhalten bringt es mit sich, daß diejenigen, die in die Stadt gehen, dort viele andere kennenlernen, die das Gleiche versuchen. Ein junger Mann denkt also nicht zuerst und einzig und allein an seinen persönlichen Erfolg in der Ausbildung, um einen Beruf zu erlangen. Diese Chance haben sowieso nur ganz wenige, deren Eltern das Geld für die Ausbildung aufbringen können.
So werden in beständigem Handel Waren und Neuigkeiten gleichermaßen  ausgetauscht. Der einzelne ist vielleicht unentschieden, ob er das verdiente Geld und die gehandelten Waren zu hause abliefern soll oder ob er sie für sich behält und sein Glück woanders versucht. Doch was ist, wenn er in der Fremde keinen Erfolg hat? Also ist es wichtig, die Verbindung zum Elternhaus und zu den Verwandten nicht zu verlieren. Die Verwandten in der Stadt sind es ja auch, die der erste Stützpunkt, die erste Anlaufstelle sind, dort, wo man sonst niemand kennt. Eine hervorragende Beschreibung dieser Verbindung gibt Bettina Decke (1981, 89-91). Oder man ist darauf bedacht, mit einem Onkel in der Stadt verwandt zu sein, von dessen Gehalt die Familie von Zeit zu Zeit etwas kaufen kann.
Dieses Denken, daß man sich eine Rücklage behält für Zeiten der Not - in Zeiten unsicheren Einkommens - hat zur Folge, daß diejenigen, die in die Städte gezogen sind, und dorthin ihre Familien nachgezogen haben, alsbald in der Stadt beginnen in einem kleinen Garten mit Lebensmitteln anzubauen. Dem Autor ist so ein Verhalten aus Dar-es-Salaam aus eigener Beobachtung bekannt, in Texten wird das von Bangui, von Accra, Karthoum und Kigali beschrieben (Manshard 1977). In europäischen Städten sieht man das allerdings nicht, daß überall in der Stadt kleine Gärten unterhalten werden, als Rücklage für Zeiten der Not. Die Städte in Europa sind dafür zu durchgeplant, zu viele Verordnungen verbieten ein solches Handeln.
Die Wirtschaftsexperten und Wissenschaftler beobachten das auch und nennen das dann Verschuldungskrise, den Wasserkopf der Bürokratie oder schlicht Vetternwirtschaft.
Ich meine, dahinter steht eine Einkommensstrategie auf der Basis der Mitversorgungsethik.
Die Verschuldungskrise hat dabei sicherlich komplexere Hintergründe als nur den Mitkonsum der Gehälter des öffentlichen Dienstes durch näher oder ferner liegende Angehörige. Die Anhäufung von Geldern und die Verschwendungssucht afrikanischer Eliten kann jedenfalls nur zum Teil für das "Verschwinden" der Gelder aus der Staatskasse verantwortlich gemacht werden. Es ist bemerkenswert, wie zum einen die Debatte hinter der Debatte um die Konditionalisierung der Entwicklungshilfe geführt wird, in der die Vertreter der Entwicklungsverwaltung fordern, mit dem "Faß ohne Boden" Schluß zu machen - ein "Faß", in das, wie von frankophonen Staaten in Westafrika allgemein bekannt, immer wieder aufs Neue die zwei, drei oder mehr Monate ausgebliebenen Gehälter der Angestellten des öffentlichen Dienstes aus dem ehemaligen "Mutterland" überwiesen werden müssen. Zum anderen ist es bemerkenswert, zu welchem Ergebnis die wissenschaftliche Forschung kommt, die betrieben wird, um die verwandtschaftlichen Netze in die Verwaltung hinein zu begreifen, die diesen Mitkonsum organisieren (vgl. Mitchell 1969 für den Beginn dieser Fachdisziplin). Unterm Strich würde eine ehrliche Bilanz des Staatshaushalts belegen, daß in der Etappe der 50er und 60er Jahre in vielen Ländern Afrikas de facto die Investitionen in die Bevölkerung größer gewesen sind als ihre Produktivität. Ihre Produktivität stieg nicht wie erwartet, in den 70er Jahren an, sondern brachte so manche Industrieanlage de facto zum Stillstand. Da diese Solidarbeziehungen auch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung tangieren, ist ihre Zerstörung mit Sicherheit einer der Hauptgründe des Westens für die Kriegführung in Afrika. So arbeitete der Sozialwissenschaftler und Modernisierungstheoretiker Monteiro, nach dem er 1973 die Stadtteile der Unterklassen Luandas (Muçeques) untersuchte, mit dem "Rat für Gegensubversion" zusammen und wurde später Chef des staatlichen Nachrichtendienstes SCCIA. Für ihn war das wesentliche Hemmnis der Entfaltung des individualistischen Leistungsprinzips ("die einzige fruchtbare moderne Ich-Orientierung") "der Familienparasitismus", das Stadt und Land verbindende Solidarverhalten der subsistenten Familienbeziehungen und ihre wertetransferierenden Pendelbewegungen (Decke 1981; ein Lebenszusammenhang, dessen Erforschung heute die quantifizierende sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse perfektioniert).

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Kampf um die Wiederaneignung des geraubten Reichtums

Mit einer Erklärung dessen, warum in Angola so lange Krieg gewesen ist, und was er bezweckt, möchte ich an dieser Stelle ansetzen: diese subsistente Strategie ist ja ein ganz anderes Verhalten als das der Kolonialisten: es ist um die Sicherung der Selbstversorgung bemüht auf gegenseitige Hilfe und auf den Respekt gegründet. Die Kolonialisten haben dagegen Angola erobert mit Waffengewalt, die Menschen versklavt und ihr eigenes Gesetz über das der Einheimischen gesetzt. Ihre Wirtschaft funktioniere besser, behaupteten sie- und meinten ihren Profit. Sie befahlen den Anbau von Früchten für den Export, befahlen zur Arbeit auf ihren Feldern. Bis heute basiert die Wirtschaft Angolas auf den Prinzipien der Fremdbestimmung: Manfred Kuder schrieb:
Für erhöhten Produktionsanreiz und wirtschaftliche Sicherheit ist der geordnete Absatz der Produkte zu angemessenen Preisen erforderlich. Damit wurde das traditionelle System des Tauschhandels oder der unkontrollierte Ankauf der Produkte durch Händler verringert oder aufgegeben. Durch Erlaß von 1963 und Gesetz von 1965 wurde mit der Schaffung und Erweiterung der ländlichen Märkte (mercados rurais) ein entscheidender Schritt für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der ländlichen Bevölkerung getan. Zugleich wurde der direkte Tauschhandel verboten, jeder Verkauf muß durch Geld abgewickelt werden. Märkte wurden in allen Landbau- und Viehzuchtgebieten eingerichtet und mit Zufahrtsstraßen, Lagerhäusern und Verkaufseinrichtungen versehen. Für Exportprodukte wie des inneren Verbrauchs sind Mindestpreise festgelegt. Wenn sich private Händler zurückhalten, kauft der Staat die Produkte an. Ein disziplinierter Handel mit Überwachung der Gewichte, Maße und Bezahlung der verkauften Waren ist zum Schutz der Afrikaner gesichert. 1964 wurde der Verkaufszwang für gewisse Produkte ausschließlich auf diesen Märkten angeordnet (Kuder, Manfred, Angola, 1973, S. 46 und 47).
Dieser "Schritt" muß allerdings sehr "entscheidend" gewesen sein, daß die Landbevölkerung nicht mit ihm einverstanden gewesen ist, denn, wie Kuder in seinem Buch 1994 beschreibt, ist der Handel, die Plantagenproduktion, der Export und insgesamt der Wohlstand seit 1973, seit der "sozialistisch-marxistischen Regierung" dramatisch zurückgegangen. Wie David Sogge (1994) schildert, ist seit dem Krieg nach der formalen Unabhängigkeit die Selbstversorgung wieder stärker hervorgetreten. Ich trete dafür ein, diese Geschichte nicht, wie so oft, als Rückfall in die Steinzeit abzutun, sondern genauer hinzuschauen. Der Widerstand gegen die offensichtlich erzwungenen Vermarktungsstrategien, war ein notwendiger, ausdauernder und ein logischer Schritt: es ging darum, sich die Selbstbestimmung über den Preis für das übrige Korn wieder anzueignen. Darum geht es bis heute: daß das Korn in den Zeiten der Not die Region nicht verläßt; daß die Arbeit auf alle verteilt wird und die lange abwesenden Männer in die Struktur der Ernährungssicherung wieder eingebunden werden, weil ihre Arbeitskraft gebraucht wird.
Und so, wie die Verletzung der Norm des Austauschs auf Gegenseitigkeit Anlaß gegeben hat zur Debatte, konnten sich die sozialen Netze der Subsistenz über Nacht in Strukturen verwandeln, die für die Wiederaneignung des Reichtums in Form von verausgabter Arbeit, Steuern oder Gütern kämpften.
Man kann diese sozialen Kämpfe als Geschichte Afrikas ansehen, und die Tatsache, daß die Chefs keine dauerhaften Strukturen von Staatsgewalt oder Klassenherrschaft etablieren konnten, als historische Leistung der Gesellschaften Afrikas bezeichnen. Gab es ausbeuterische Beziehungen zwischen den Geschlechtern oder zwischen Chefs und Bauern, so waren sie stets umkämpfte.

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Die Hindernisse der Entwicklung nach westlichem Muster:


1. die traditionellen Autoritäten waren wirkliche Autoritäten, da jeder in der Clan- und/ oder Dorfgemeinschaft eine persönliche Beziehung zu ihnen hatte. Ihren Rat galt es in allen das Individuum und die Gemeinschaft betreffenden Fragen unbedingt einzuholen und zu beachten. Auch wenn der einzelne nicht genau im Wortsinne nach dem Rat des Ältesten handelte, sein Wort galt symbolisch und universal. Auf diesen Rat konnte man sich berufen, er legitimierte Entscheidungen.
Der Chef (früher Häuptling genannt) oder König war damit Begründer und Garant des Zusammenhalts der Gemeinschaft. Wer eines Vergehens bezichtigt und zu einer Strafe verurteilt worden war, diese Strafe (z.B. in Form der Gabe von Vieh) jedoch nicht bezahlen konnte, wandte sich an den Chef, der die Strafe auslegte an den Beklagten. Der Dissident oder Verurteilte hatte sodann dem Chef die Strafe abzuarbeiten oder später zu bezahlen.
So ist auch die Strafe für ein Vergehen auf der Ebene der Gemeinschaft in Form des Austauschs direkt untereinander geregelt. Der Chef wacht, mit anderen Worten, als Begründer der Gemeinschaft, über die gerechte Ordnung des Austauschs; ihm obliegt vor allem auch die Beilegung von Landstreitigkeiten.
2. Das Fehlen eines einheitlichen Staates in vorkolonialer Zeit: Angola wurde und wird wie gesagt bewohnt von bäuerlichen Gesellschaften, Hirten Nomaden und anderen. Sie hatten alle ihre eigene Organisation, mit den eben beschriebenen Chefs - doch ohne einen Nationalstaat nach europäischem Muster zu kennen. ?Wie organisiert man nun einen solchen Nationalstaat?? mag eine der bedrückendsten Fragen der Portugiesen gewesen sein. Wenn wir in die europäische Geschichte schauen, so ist sie nicht etwa voll von Nationalstaaten, sondern voll von "Stammeskriegen"!!! Erst im Dreißigjährigen Krieg gelang es den Nationalstaat in ganz Europa durchzusetzen.
 Der Nationalstaat wurde auch in Europa im Krieg gegen die Bevölkerung durchgesetzt!
Ein Staat besteht in einer einheitlichen zentralen Macht, die für sich das Monopol beansprucht, Gewalt auszuüben. Es sieht ganz so aus, als ob die Durchsetzung dieser Macht nur durch Krieg möglich ist. Diejenigen die bisher die Macht haben - über sich selbst, ihre Kinder, über ihren Markt und ihre Arbeit, über das Produkt ihrer Arbeit - wollen diese Macht nicht freiwillig aus der Hand geben. Das wesentliche Instrument der staatlichen Herrschaft ist neben der Armee die Verwaltung, die sich aus verschiedenen Organen zusammensetzt und die Einhaltung der Gesetze überwacht. Wer etwas von der Verwaltung möchte, muß einen Antrag stellen. Sonst kann es sein, daß er oder sie etwas verbotenes tut! So ist das jedenfalls in Europa.
Damit das in Angola nicht so ist, haben die AngolanerInnen, so wie sie aus der Wirtschaft der Selbstversorgung kommen, die Strategie entwickelt, möglichst jemanden im Verwaltungsapparat zu kennen, um beim Stellen von Anträgen, wenn sie denn sein müssen, Beratung und Unterstützung zu bekommen. Die persönliche Beziehung zu einem Höherstehenden gilt über alles, und es ist auch nicht einzusehen, warum dies nicht so sein sollte.
Europäische Verwaltungen funktionieren nicht so! Sie sind auf einem ganz ganz unpersönlichen mechanischen Prinzip der Bearbeitung von Anträgen und Anweisungen begründet, die als alleroberstes Prinzip nicht nach dem Ansehen der Person funktionieren sollen! Das steht in krassem Widerspruch zu dem Bestreben, die persönliche Beziehung nicht aus den Augen zu verlieren.
Entscheidend für die hier versuchte Analyse des Krieges in Angola, der nun auch schon dreißig Jahre dauert (1961-91), ist es, zu verstehen, wie die Verwaltung während und durch den Krieg durchgesetzt wird: wenn alle Möglichkeiten sich selbst zu ernähren und mit Einkommen zu versorgen, zerstört worden sind, auch die Häuser und wenn die Felder vermint sind, so muß sich die Bevölkerung an die Verwaltung wenden, die ja angetreten war, sie zu entwickeln, um von ihr Unterstützung zu bekommen. Da bereits beginnt die Fremdbestimmung durch Verwaltung.

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Die politische Ökonomie der Flüchtlingslager

In Angola sieht das seit Mitte der 80er Jahre so aus, daß die Landbevölkerung und die in die Städte Geflohenen auf die Lebensmittelkarten angewiesen sind, die von der Verwaltung ausgegeben werden. Die Praxis dieser Lebensmittelkartenausgabe ist aber eine sehr ungerechte: sie begünstigt die einen und schließt die anderen aus: versorgt werden im wesentlichen die Angehörigen des Parteiapparates der MPLA und diejenigen, die sich durch Bestechungsgelder versorgen lassen können.
Die Praxis hat David Sogge beschrieben:
Der Zugang zu Lebensmitteln ist politisch bestimmt: es gibt eine Hierarchie von Läden: einen für die einfachen Bürger, einen für die einfachen Staatsangestellten, und einen für die mittlere und höhere Staatsklasse. "Ohne Lebensmittelkarte, die die Zugangsberechtigung zu den Grundnahrungsmitteln verkörpert, hatte ein einfacher Bauer fast keinen Platz in diesem System (Lacking a ration card, which represented an entitlement to buy basic goods, a small farmer had almost no status in this system)" (Sogge 1994, 99). Und selbst wenn sie einen solchen Zugang hatte, war die Versorgung mager: nur 10 bis 40 % der grundlegenden Güter wurden im staatlich gesteuerten Verteilungsplan an die Kleinstädte und Dörfer auf dem Land verteilt. Dagegen entstanden weitreichende Parallelmärkte und die "Schattenwirtschaft", d.h. die Überlebensökonomie spielte sich überwiegend unregistriert ab. In den Jahren 1985-1990 konnte der Staat auch nur zwischen 1 und 5% auf Parallelmärkten angebotenen Produkten aufkaufen. Selbst die Staatsfarmen waren, um zu überleben, auf den Schwarzmarkt angewiesen.
Auch auf höchster Ebene bestand eine Verbindung zwischen den wenigen Staatsfarmen und den Parteichefs nur in gegenseitigen Geschenken. Offizielle Zahlen sind insgesamt ein Ratespiel.
Für die meisten Haushalte bedeutete die Nahrungsmittelkrise, daß länger gearbeitet werden mußte. Insbesondere die Frauen hatten mehr zu arbeiten, während trotzdem ihr Einkommen sank. Das Überleben eines Haushaltes war im wesentlichen davon abhängig, wer und wieviele es schafften zu überleben in den Wogen des Krieges und der diesbezüglichen Angst, Zwang und glücklichen Gelegenheiten. Wer konnte blieb zu hause, doch dies traf zu Beginn der 90er Jahre für weniger als die Hälfte der Landbevölkerung zu: 1991, zu Zeiten des "500-tägigen Friedens" schätzte man die Zahl der Vertriebenen auf über 900.000, und die Zahl der Flüchtlinge in den Nachbarländern auf über 400.000. Waren es 1970 noch 15 % der Bevölkerung, die in Städten lebte, so waren es 1990 rund 50%. So suchte die Landbevölkerung vor allem in den Städten Zuflucht vor dem Krieg. Der Anstieg der Verstädterung ist also eindeutig kriegs-bedingt.
Ferner wurde die Selbstversorgungswirtschaft und die ausgeglichene Verteilung der Arbeiten im Haushalt durch die rivalisierenden Armeen angegriffen: sie rekrutierten mit Zwang einen Großteil der heirats- und arbeitsfähigen Männer auf dem Land. Die UNITA rekrutierte sogar ganze Dörfer und Verwandtschaftsgruppen, die für ihre Armee die Versorgung mit Nahrungsmitteln betreiben sollten. Sie wurden vor allem aus den Ovimbundu an der Grenze zu Zaire/Kongo, den Tschokwe im Osten und den Lunda und den Kwanyama im Süden und Südosten des Landes rekrutiert. Über ihre Ausbildungslager und Handelszentren im angrenzenden Zaire/Kongo organisierte sich die UNITA ihren Waffennachschub mit Erdölverkauf und Diamantenschmuggel.
Im Grunde sind das die Formen des Handels, wie er überall auf der Welt stattfindet. Wäre da nicht der Umstand, daß diejenigen den meisten Reichtum einsacken, die die Waffen haben und diejenigen, die sie nicht haben, von ihrem Land und von der Nahrungsmittelhilfe abgeschnitten werden. Genau diese Methoden, nicht die vorgeblichen gegeneinanderstehenden Kriegsziele von UNITA und MPLA sind es, die die Zerstörung der Macht der Bäuerinnen und Bauern auf dem Land gemeinsam betrieben haben. Die Terras Libres de Angola, die Region Lungue-Bungu, die die UNITA mit einer eigenen Verwaltung kontrolliert - bis in die 90er Jahre hinein mit der Unterstützung durch weiße us-amerikanische rechtsorientierte Evangelikale - sind inzwischen ein Staat im Staat, oder besser, die von der UNITA inzwischen durchgesetzte Form von "staatlichem" Gewaltrecht - neben den Regionen, in denen die MPLA das "Gewaltrecht" hat, in dem ihre Männer den Waffenmarkt kontrollieren.
Diejenigen, die immer noch auf dem Land leben, sind häufig von der Nahrungsmittelversorgung abgeschnitten und so von Hunger und unterernährungsbedingten Krankheiten betroffen, so vor allem in den Regionen Planalto, der Kornkammer des Landes und in Kwanza Sul, Moxico, Kuando, Kubango und Uige.
Hunderttausende leben in Flüchtlingslagern, dort sind sie von internationalen Nahrungsmittellieferungen und den dortigen Verteilungsstrukturen abhängig. Auch die in die Städte gezogenen Flüchtlinge sind von schwerer Unterernährung betroffen, die Infrastruktur der Städte ist meistens für eine so sprunghaft ansteigende Bevölkerungszahl nicht ausgelegt. Die Folge ist der Zusammenbruch der gesundheitlichen Versorgung.
Die internationalen Organisationen und die reichen Nationen hielten sich bisher mit humanitärer Hilfe sehr zurück - mit dem Argument, die Hilfe komme bei den eigentlich Bedürftigen nicht oder kaum an. In der Tat sind es die bewaffneten Gruppierungen, die in der Lage sind, Hilfstransporte zu überfallen und die Ladung einzukassieren. In der Folge ist die Zivilbevölkerung, ob nun innerhalb oder außerhalb der Lager auf Gedeih und Verderb von der Vergabebereitschaft der Militärs abhängig. Daraus, könnte man vermuten, entstehen neue Patronagebindungen, denn diejenigen, die über Waffen und Nahrung verfügen, ermöglichen den Zugang zu den Überlebensmitteln dann, wenn sich die Notleidenden ihnen gegenüber loyal verhalten. Sollte die Vergabe von Lebensmitteln einmal nach einheitlichen Regeln funktionieren und nicht nach dem Recht des Stärkeren, so wird dafür eine gut ausgebaute Verwaltung von Nöten sein. Im Ergebnis verbindet sich mit der humanitären Hilfe zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung unumgänglich die Ausdehnung der Staatsmacht durch die Regelung eines lebenswichtigen Teils des Alltags.

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Krieg in Angola als Krieg gegen die Selbstversorgungslandwirtschaft, als Angriff auf die sozialen Strukturen


Zur Selbstversorgung gehört nach wie vor der freie Zugang zu Land, Wasser und Brennholz. Nach wie vor über die Hälfte der Angolaner und in noch stärkerem Maße die Angolanerinnen arbeiten in der Landwirtschaft - und sei es in der Stadt. Auch wenn sie es vielleicht nicht gerne tun, es ist ihre Lebensgrundlage! Diese wurde ihnen durch den Krieg Schritt für Schritt genommen. So wenden sie sich anderen Tätigkeiten zu, von der Landwirtschaft losgelöst, doch mit denselben Versorgungs- und Mitversorgungsansprüchen!
Die ländlichen Märkte Angolas bleiben in der Folge das was sie sind: Märkte des einfachen Austauschs ohne steigenden Profit für Zwischenhändler; das Verbot des Tauschhandels durch die Portugiesen wird unterlaufen, der Tauschhandel geht unter der Hand eben weiter, er läßt sich nicht verbieten. Er überschreitet sogar die nationalen Grenzen - zum Nachsehen der Steuereintreiber. Mit ihm überschreitet immer auch die Nachricht von den eignen Lebensbedingungen die Grenzen - zum Erfolg transnationaler Aufstandsbewegungen. Dabei ist es stets von allergrößter Bedeutung, das dieser Handel wesentlich in den Händen von Frauen liegt, so wie sie auch das Wort weitergeben. Sie sind in der Folge auch die Hauptleidtragenden des Krieges - besser gesagt: die hauptsächlich Angegriffenen, Vergewaltigten, Entmündigten und Ausgeraubten, die von den Konferenzen von Frieden, Versöhnung und Fortschritt in aller Regel ausgeschlossen bleiben.
Die Selbstversorgung in der Praxis und der Gedanke der Mitversorgung ist jedoch in der Tat das Innovativste, was die Gesellschaft Angolas während und trotz des Krieges hervorgebracht hat. Doch Krieg bedeutet oftmals schlicht: Vernichtung. Und das ist es worauf es in diesem brutalen Neuordnungskommando, fleißig inszeniert als Chaos, ankommt: die Vernichtung der Unproduktiven, der Verarmten, restlos Verbrauchten und nun Nutzlosen, die sehr wohl andauernd produktiv sind, aber einem im Wege stehen: der Ordnung der Verwertung von Arbeit zum Profit von wenigen.

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Entwicklung in der Cunene Region in Südangola:

Krieg und Vertreibung für das Bewässerungs- und Ansiedlungsprojekt


Kuder hat in seinem Aufsatz 1991 vielleicht am besten zusammengefaßt, warum es notwendig wurde, die oben beschriebene Selbstversorgungswirtschaft und die nicht profitorientierten Strategien des sozialen Ausgleichs mit jahrelangen Terroraktionen anzugreifen und zu zerstören, kurz: wie sich die politische Ökonomie der Flüchtlingslager als notwendiger Bestandteil in die Neustrukturierung der Küstenregionen Angola und Mozambique einfügt:
"Da die beiden portugiesisch-sprachigen Staaten mit ihren Seehäfen für das südliche Afrika die Tore zum Welthandel bilden und damit die Eckpfeiler der Entwicklungskooperation sind, und das gilt insbesondere für Moçambique, dienen alle Entwicklungshilfen zugleich den Nachbarländern" (Kuder 1991, 196).
Für die Cunene-Region im Süden Angolas sind z.B. umfangreiche Planungen in Umsetzung befindlich, nach denen die Region in eine exportorientierte, komplett durchstrukturierte Bewässerungs-Plantagenlandwirtschaft umgewandelt werden soll. Zentrale Auseinandersetzungen im Kampf um die Einhegung der Bodenflächen und dem Zugang zu Wasser spielen sich also bis heute in dort ab. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser Siedlungspläne kam es in Südangola zu solch lang anhaltenden Kriegszügen unter Beteiligung Südafrikas (Über das Wertschöpfungspotential von Bewässerungssystemen in der Cunene-Region schrieben Serrano and Carter 1991).

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Zusammenfassung der Beobachtungen


Aus dem in den Augen der Entwicklungsplaner undifferenzierbaren Wirrwarr von Handel, Kommunikation und Versorgung, wie es auf den Märkten der Landbevölkerung praktiziert wurde, läßt sich nur dann eine funktionierende Verwertungsordnung organisieren, aus der das transnationale Kapital Wert schöpfen kann, wenn es entwirrt wird. Wenn Konsumenten nicht mehr Verkäufer sein können, wenn es Zwischenhändler gibt, wenn die Preise nicht mehr von jeder Marktteilnehmerin ausgehandelt werden können, wenn das Konkurrenzverhalten nicht mehr durch verwandtschaftliche Verpflichtungen blockiert wird. Nur dann wären die Märkte kapitalistische Märkte.
Die historische Erfahrung Angolas zeigt jedoch, daß die alte Marktordnung nicht ohne Weiteres umgestürzt werden konnte. Im Gegenteil: die Landbevölkerung trug ihr Verhalten in die Städte hinein - die einzigen Stützpunkte kapitalistischer Innovation.
Die Bauern wollten ihre Macht zu handeln behalten. Um diese Macht zu brechen, war es notwendig, sie von ihrem Terrain und von ihren Rückzugsbasen, dem eigenen Feld, zu vertreiben (vgl. Keen und Wilson 1994).
In dem der Krieg zwischen ideologischen Gegnern die Bevölkerung in Flüchtlingslager und in die Städte trieb, enteignete er sie von ihrer Handels- und Handlungsmacht.
In den Lagern und in den Städten wurden sie vom Lebensmittelvergabesystem der staatlichen Agenturen abhängig. Diese Grundnahrungsmittel verteilende Verwaltung konnte nur funktionieren durch den personellen Einsatz und die konkrete Belieferung durch die Nahrungsmittelbehörden der Welternährungswirtschaft der FAO und des World Food Council, der United Nations Economic Commission for Africa (UNECA) und der Weltbank. Sie ist im Krieg die konsequente Weiterführung der staatlichen Vermarktungsorganisationen, die es im "Frieden" gab. Mit der staatlichen Essensausgabe wurde einkalkuliert, daß die Armen weiter handeln werden: das Allernötigste gegen das Minimalste. Während die Parteikader und Sekretäre der internationalen Organisationen auf den teuren üppigen Märkten kaufen können, etablieren die Habenichtse Parallel- und Schwarzmärkte.
Gemäß den für die Nachkriegsphase vorformulierten Siedlungs- und Wiederaufbauplänen (z.B. Beaudet et al 1991; MacCormick 1994; Mshigeni 1993; UNDP/ Plano 1986 und Roque 1994) wird die Lagerbevölkerung aufs Neue angesiedelt. Die städtischen Armen werden in ihrem Rückkehrwunsch ebenfalls unterstützt und auf dem Land wieder angesiedelt.
Was finden sie vor: neue strukturierte Märkte, deren Produkte man nur noch kaufen wird können, wenn man permanent Geld erarbeitet, Felder, die nicht mehr zugänglich sind, Wälder, die abgeholzt oder abgebrannt sind, oder zum Export bestimmt; Flüsse und Wasserstellen, die nicht mehr frei zugänglich sind, weil gerade eine Staustufe zur Stromerzeugung (für die Lieferung nach Südafrika) im Bau befindlich ist und weil die einfachen Leute ihren Wasserverbrauch künftig bezahlen sollen.
So werden sie eine Wegstrecke zurückgelegt haben: aus ihren Siedlungen und Märkten in die Lager und wieder zurück. Nicht vergessen möchte ich dabei, wer auf diesem Weg auf der Strecke geblieben ist: all diejenigen zehntausenden Menschen, die die Flucht nicht überlebt haben. Sie waren die "überschüsssigen Esser", die für das transnationale Kapital wertlose Entwicklungsblockade in Person und Volksgruppe darstellten. (In einer Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Berater der Macht kann man darüber Andeutungen finden.)

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Der Verlust der Würde und des Respekts


Tausende Frauen wurden durch den Krieg nicht nur ihres Zugangs zu Land, ihrer Marktmacht beraubt, sie mußten sich prostituieren, um ihre Kinder durchzubringen. Auch nach Jahren der Waffenruhe werden sie es kaum wagen in die Dorfgemeinschaft zurückzukehren: als Prostituierte würden sie verachtet und wären weder erbberechtigt noch heiratsfähig.
Unter den Männern, viele von ihnen mehr gezwungen als freiwillig zu Söldnern der Heerführer geworden, gehen viele dem Drogenhandel nach, oder versuchen, nach Europa zu gelangen.
Wiederum andere konnten sich dem Militär beider Seiten entziehen und sind desertiert. Als solche sind sie jedoch unter höchstem Druck, sobald wie möglich das Land zu verlassen. Als politische Flüchtlinge werden sie in Deutschland jedoch nicht anerkannt. Jedoch ermöglicht oft erst die in der Abschiebung erfolgende Übergabe des Flüchtlings in Handschellen von der deutschen an die angolanische Polizei auf dem Flughafen die Festnahme und Mißhandlung des von angolanischer Seite aus als Deserteur gesuchten Kriegsgegners. Wer nicht mitmachen will im Handel mit Leben und Tod, wird in Angola zum Staatsfeind, in Deutschland würde er zum "kriminellen Drogendealer".
Frauen wird schon generell die Asylantragstellung verwehrt, wenn sie alleine, d.h. unverheiratet oder nicht in Begleitung ihres Ehemannes an den Grenzen Deutschlands Asyl suchen. Ein eigenständiges Aufenthaltsrecht für Frauen gibt es nicht, geschlechtsspezifische Fluchtgründe werden in der BRD erst seit 1998 aufgrund anhaltender Proteste und Forderungen im Einzelfall anerkannt.
Vor dem Hintergrund, daß die Mehrheit der in den Flüchtlingslagern Angolas festsitzenden Frauen und ihre Kinder sind, die kaum eine Chance haben, einem solchen Lager zu entrinnen, ist diese Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik Deutschland ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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Der Kampf um die Würde und um den Respekt


Der Zwang zur Prostitution, die Entbehrungen, die Bereitschaft, nur um des Überlebens willen alle möglichen Allianzen einzugehen, die Veralltäglichung des Krieges, die Rekrutierung von Kindern zu Soldaten, die (wie vor allem im Krieg in Mozambique) gezwungen wurden, ihre Eltern umzubringen, hat eine gemeinsame bittere Konsequenz: die Menschen verlieren ihre Würde und ihren Respekt voreinander.
Ein Entwicklungsprojekt, das den inneren Markt wie die Integration in den Welthandel mit Krieg, Vergewaltigung und Mord durchzusetzen sucht, kann ich nur als Projekt der Barbarei bezeichnen und verabscheuen.
Die Methode des Krieges ist es, eine Ordnung der Ungleichheit durchzusetzen: so richtet sich schon der Weg zur Durchsetzung der entwicklungspolitischen Ziele gegen die in vielen angolanischen Traditionen enthaltenen Bestrebungen: den angesichts des Kolonialismus zur "Tradition" gewordenen Widerstandserfahrungen im Kampf um gleiche Rechte.
An diesen Kampf um gleiche Rechte wollen wir anknüpfen.
Für die politische Ökonomie des Imperialismus sind diejenigen, die nur leben und sich selbst versorgen, überzählige Bevölkerung und wertlose Masse.
Wenn sie verarmt worden sind und ihnen die Grundlage der Selbstversorgung genommen worden ist, entsteht ein Interesse, sie zu beseitigen, denn sie sind der logische Ort der Forderung nach sozialer Revolution.
Ihre "Wegrationalisierung" ist Bevölkerungspolitik im weltweiten Maßstab.
Der Kampf um das Existenzrecht eines jeden Menschen, in welcher kulturellen Form auch immer, konstituiert damit eine Feindschaft gegenüber dieser imperialistischen Ökonomie. Sie wird in Zukunft zu ganz neuen weltweiten Kämpfen führen, die sich aus dem Bewußtsein des einem jeden zustehenden Rechts herleiten werden.
Europa ist nicht zu verteidigen, weder geistig noch moralisch, noch ist sein Wohlstand zu verteidigen (Aimé Césaire).
Ergänzung: der Konflikt ist nicht als deterministischer zwischen zwei statischen Entitäten zu sehen, genauso wenig als Evolution. Zugang zum Verständnis des Konflikts gewinnt man, wenn man das Binnenmarktprojekt wie seine kolonialen Vorläufer als Herstellung hegemonialer Aggressivität begreift, als Projekt kriegerischer Innovation. Darin werden auch die Subjekte der Modernisierung ihren eigenen Beitrag einbringen, ihre Ansprüche auf Selbstverwirklichung in der Herstellung eines neuen entwicklungsrassistischen Gefälles umsetzen zwischen ihnen, den Eliten, und dem rückständigen Objekt des Kriegsopfers, in der Sozialarbeit usw. In diesem Innovationsprojekt wird Privateigentum hergestellt, eigentumsloser Kollektivismus beseitigt und die »Reproduktion« von der »Produktion« getrennt.
 
 

Verwendete Literatur:

afrika süd: 2/1997, Das Protokoll der SADC zu Handel und Entwicklung; Hefte von 1996/97
Diess. 3/1997, Sonderwirtschaftszonen I: Produzieren für den Export,
Diess., 4/1997, Sonderwirtschaftszonen Teil II: EPZ's im Südlichen Afrika, hrsg. von der Informationsstelle Südliches Afrika (ISSA), Bonn, Beilage in afrika süd
Andrade, Mario de et M. Ollivier (1971): La guerre en Angola. Etude socio-économique, Paris
Beaudet, P. et al, 1991: Angola: Rebuilding a Country, Montreal CIDMAA
Bevan, David and Collier, Paul, 1989: Black Markets: Illegality, Information and Rents, in: World Development, 17,12, S. 1955-1963
Decke, Bettina, 1981: A terra é nossa. Koloniale Gesellschaft und Befreiungsbewegung in Angola. Reihe Informationsstelle Südliches Afrika Bd. 12, Bonn (= Diss Bremen)
Heywood, Linda, 1989: Unita and Ethnic Nationalism in Angola, in:Journal of Modern African Studies, 27,1, pp. 47-66
Keen, David und Ken Wilson, 1994, Engaging with Violence: A Reassessment of Relief in Wartime, in: Macrae, Joanne und Anthony Zwi (eds.) War & Hunger. Rethinking International Responses to Complex Emergencies, Zed Books, London, S. 209-221
Kuder, Manfred, 1973, Angola, Weltforum, München und London
Ders., 1991: Die Rolle von Angola und Moçambique in einem künftigen gemeinsamen Markt, in: Internationales Afrikaforum, 2/91, Schwerpunkt: Regionalintegration im Südlichen Afrika
Ders. und Möhlig, Wilhelm (Hg.) 1994: Angola. Naturraum, Wirtschaft, Bevölkerung, Kultur, Zeitgeschichte und Entwicklungsperspektiven, München, Weltforum
MacCormick, Shawn, 1994: The Angolan Economy: prospects for growth in a postwar environment, Washington D.C.
Manshard, Walter, 1977, Die Städte des tropischen Afrika, Darmstadt
Marcum, John A., The Angolan Revolution; Vol 1: The Anatomy of an Explosion 1950-62, 1969 Vol 2: Exile Politics and Guerilla Warfare 1962-76, Cambridge, Mass. and London 1978
Meyns, Peter, 1993, Angola, in: Nuscheler und Nohlen (Hg.) Handbuch der Dritten Welt, Bd. 5, Ost- und Südafrika, S. 320-338Mitchell, James C., 1969, Social Networks in Central Africa. An Empirical Analysis in an Urban Context, Cornell University Press, Ithaca
Monteiro in Heimer 1973
Mshiggeni, K.E., 1993: Science, Technology and Research for Development in the SADC Region: Status, Needs, Prospects and Challenges, o.O.
Pélissier, René (1977): Les guerres grises. Résistance et revoltes en Angola (1845-1941), Orgeval
Pössinger, Franz in Heimer, F.W. (Hg.), (1973): Social Change in Angola, München, Weltforum
Roque, Fatima Moura, 1994: Economic Transformation in Angola, in: The South African Journal of Economics 62, 1994, 2, S. 71-91
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Forderungen, die an die Regierungen in Nord und Süd zu stellen wären:


Aus den Kriegserfahrungen und den Recherchen lassen sich folgende Forderungen aufstellen:

- Für einen sofortigen Waffenstillstand in Angola! Die UNITA muß ihre Waffen abgeben!

- Bleiberecht für alle Flüchtlinge aus Kriegsgebieten! Keine Abschiebung von Deserteuren!

- die europäischen Firmen die am Krieg in Angola mitverdient haben, sollen Repara-    tionsleistungen zahlen auf einen Fonds, aus dem die Minenräumungen mitfinanziert werden können, insbesondere die Firmen, die für die Lieferung von Minen verantwortlich sind!

- Statt neue Kredite für Staudammprojekte: Schuldenmoratorium für Angola!

- Für die Einrichtung einer Wahrheitskommission, die die Verbrechen der UNITA ans Licht bringt!

- für eine selbstbestimmte Entwicklung von unten!

- Solidarität mit dem Befreiungskampf im Kongo!

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