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Revolutionäre Aneignung gegen die Strategien des Transformationskriegs „Das Subjekt historischer Erkenntnis ist die kämpfende, unterdrückte Klasse selbst“ (Walter Benjamin). „Krieg, das Prinzip des sozialen Wandels“ (Joschka Fischer zur Agenda 2010) Im Irakkrieg ist der Kapitalismus offen zum Krieg als Mittel sozialer Transformation und Modernisierung seines Kommandos übergegangen. Der Nahe Osten ist das erste Aufmarschfeld seiner Globalisierung. Das heißt: weltweit transformiert der Kapitalismus die technischen und sozialen Strategien seines gewaltsamen Zugriffs auf die lebendigen Ressourcen seiner Akkumulation. Diese Steigerung der Gewalt der postfordistischen Umbruchsenergien erschüttert auch das Selbstverständnis vieler Linker, wie sich etwa am neuen linken „Bellizismus“ ablesen lässt. Die Orientierung an der Grundwahrheit jeder materialistischen Geschichtsauffassung, wie Benjamin sie in den Mittelpunkt seiner Thesen „Über den Begriff der Geschichte“ gestellt hat, ist daher von entscheidender Bedeutung. Er hat sie in radikaler Härte mitten im fordistischen Akkumulationszyklus formuliert, gegen den mit der Kapitalakkumulation verbundenen Fortschrittsglauben. Sie beharrt auf dem Kampf als historischem Ort nicht nur der revolutionären Veränderung, sondern der Erkenntnis. Wessen Kampf? Welcher Kampf? Kampf wogegen? Wenn wir diese Wahrheit zum Ausgangspunkt unserer Analysen zum aktuellen Umbruchsprozess machen wollen, tut ein Blick darauf gut, was sie damals bedeutet hat. Vor und im ersten Weltkrieg, in einer Phase des fordistischen Take-off hat Rosa Luxemburg mit dem Buch „Die Akkumulation des Kapitals“ in einem der modernsten Ansätze zu diesem Kampf radikal die Perspektive von unten eingenommen. „So wenig die Kapitalakkumulation in ihrer sprunghaften Ausdehnungsfähigkeit auf den natürlichen Zuwachs der Arbeiterbevölkerung zu warten und mit ihm auszukommen vermag, so wenig wird sie auch die natürliche langsame Zersetzung der nichtkapitalistischen Formen und ihren Übergang zur Warenwirtschaft abwarten und sich mit ihm begnügen. Das Kapital kennt keine andere Lösung der Frage als Gewalt, die eine ständige Methode der Kapitalakkumulation als geschichtlicher Prozess ist, nicht bloß bei der Genesis, sondern bis auf den heutigen Tag. Für die primitiven Gesellschaften aber gibt es, da es jedem solchen Falle um Sein oder Nichtsein handelt, kein anderes Verhalten als Widerstand und Kampf auf Tod und Leben, bis zur völligen Erschöpfung oder bis zur Ausrottung.“ Sie meint nicht nur die Gewalt nach außen, sondern auch nach innen als der „Geißel des technischen Fortschritts, ... die Muskeln, Hirn und Blut des Proletariers erbarmungslos peitscht, ihn mit grausamem Sausen zu Grabe hetzt.“[1] Sie begreift in der von Marx wahrgenommene Gewalt der „ursprünglichen Akkumulation“ die Grundenergie der kapitalistischen Akkumulation selbst, die sich als Gewalt sozialer Zerstörung und wertschöpfender Unterwerfung in immer neuen Zyklen auf neuem Niveau reproduziert. Fordistische Fabrikisierung der Gesellschaft und die Wiederaneignung des eigenen Lebens als Kampf Es waren, mit Benjamin gesprochen, die Kämpfe, die uns zum Ende des fordistischen Zyklus zu vielen Erkenntnissen gedrängt haben, die wir heute nicht vergessen dürfen. Die Kämpfe gegen die kapitalistische Fabrik sprengten die eingeschränkte Vorstellung des „Ökonomischen“, wie sie früher mit Klassenkämpfen verbunden wurde. Gegen den linken und rechten Produktivismus machten sie deutlich, dass die Produktion nicht etwa ein neutraler Bereich effizienz- und produktivitätssteigernder Techniken war, sondern dass die technologischen Formen selbst Klassenkampfcharakter zum Ausdruck brachten: die Unterwerfung unter die Disziplin des Fließbands, die Erschließung menschlicher Ressourcen durch Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstudien, der Griff in die moralischen Ressourcen durch Techniken der „Humanisierung der Arbeitswelt“ und dergleichen mehr. Es war die Ausweitung der Auseinandersetzungen ins Quartier, in die Bereiche der sogenannten „Reproduktion“, Familie, Schule, Universität etc, die uns die Augen dafür öffneten, dass der Fordismus/Taylorismus Strategien eines gewaltsamen Griffs ins Innere der Gesamtgesellschaft verfolgte, zum Zwecke ihrer Transformation zu „Humankapital“ und „Sozialkapital“. Stadt- und Infrastrukturplanung wurde im Lichte der Kampfauseinandersetzung erkennbar als Griff des kapitalistischen Kommandos ins Innere, in die Tiefe der Gesellschaft. Seinen Ausdruck fand dies im Leitbegriff der „Fabrikisierung“ der Gesellschaft und der Sozialbereiche, der Versuch der Verwandlung von Gesellschaft in eine soziale Gesamtfabrik. „Innere Landnahme“ war ein plastisches Schlagwort dafür. Es waren die Insubordination und Revolten von Frauen, die den patriarchalischen und sexistischen Charakter analoger Zugriffe in die Reproduktion und bei der Zurichtung von Frauenrollen, Gender-Selbstverständnissen blosslegten. Die trikontinentalen Kämpfe warfen ein anderes Licht auf die Strategie fordistischer Globalisierung und ihre Entwicklungs- und Finanzinstitutionen. Die fordistische Illusionsfabrik und ihre sozialdemokratischen Troubadoure hier und in den USA („Ein New Deal für die Welt“) gaukelten ein Zukunftsprojekt globaler Vollbeschäftigung vor. Es waren die Kämpfe gegen die Zugriffstrategien von Weltbank, IWF und Entwicklungsorganisationen auf die Weltbevölkerung als unerschlossene Arbeitsressource, die uns eines Besseren belehrten. Die Kämpfe gegen die sozialen Zerstörungen im Zuge der „grünen Revolution“, der zunehmend härteren Diktate aus den Kommandoebenen von IWF und Weltbank und ihren je nationalen Lakaien, die Mobilisierung der „Revolution der Erwartungen“ aus den drei Kontinenten lenkten unseren Blick darauf, dass „Fordismus“ im Kern nie ein globales Vollbeschäftigungsprojekt gewesen ist. Es war immer ein gewaltsamer Prozess dynamischer Zugriffe in das Innere traditioneller Gesellschaftsstrukturen zum Zwecke der Vertiefung der Akkumulation gewesen. Im Fordismus wurden ihre Strategien sozialer Rationalisierung auch von Seiten der Regulationstheoretiker korrekt als „blutige Taylorisierung“ der Peripherien erkannt. Dies lenkte unseren Blick zurück auf die Entstehungsgeschichte der Kommandoebene dieses blutigen Projekts im zweiten Weltkrieg und den bedeutenden Anteil, den die nationalsozialistische Initiative zur Herstellung eines Großraum-Clearings für die Entwicklung von IWF und Weltbank gehabt hat.[2] „Eine Mordmaschine kann man nicht reformieren“ war einer der Slogans, die diesen strategischen Charakter in der Anti-IWF-Kampagne der späten 80er Jahre auf den Punkt zu bringen versuchte. Die Subjekte der trikontinentalen Kämpfe vermittelten uns diese historische Erkenntnis im Sinne Walter Benjamins, Kämpfe gegen die blutigen Zerstörungsstrategien, mit denen die Agenturen der Kapitalakkumulation im Sinne Rosa Luxemburgs in die Tiefen tradierter Lebenszusammenhänge griffen. Von da aus wurde auch der historische Rückblick in den sozialen Antagonismus zu Beginn der fordistischen Offensive gesucht. Arbeiten von Gisela Bock, aus dem Kreis der „Autonomie“, „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“, der „Wildcat“ versuchten, die sozialen Dimensionen der damaligen Auseinandersetzungen offen zu legen. Die Verkürzung der revisionistischen Geschichtsschreibung auf die Kämpfe unter der Führung der tayloristisch orientierten politisch-technischen Avantgarden namentlich in Russland erwies sich als außerordentlich problematisch. „One big union“ war die zentrale Parole eines globalen Zusammenhangs sozialrevolutionärer Kämpfe, der von den BauernarbeiterInnen und den russischen Dörfern über die europäischen und amerikanischen Metropolen bis in die mexikanischen Basis-Communities zapatistischer Prägung reichten. Sie steigerten ihre Intensität gegen die Kriegsökonomien des ersten Weltkriegs, in denen das Kapital den Modernisierungsdurchbruch suchte, oder –in Fischers Worten- den „Krieg als Prinzip“ sozialen Wandels. So waren es die Kämpfe gegen die gewaltsame Globalisierung des produktiven Kommandos der gesellschaftlichen Fabrik, die uns zu zwei zentralen Erkenntnissen verhalfen: die „Subjekte“ dieses zugespitzten Kampfes ließen sich in den Kategorien ihrer produktiven Funktionen gerade nicht begreifen, sondern aus dem Antagonismus gegen sie. Die produktive, soziale oder gar soziologische Definition der „Klassenzugehörigkeit“ und „Proletarität“ bedeutete die Übernahme der kapitalistischen Perspektive. Die Kämpfe richteten sich gegen die qualitative Gewalt wertschöpfender Unterwerfung und das auf allen Ebenen der Fabrikgesellschaft, die das Leben zu den toten Strukturen des „Humankapitals“ enteignen wollten. Foucault trug dieser Zuspitzung hellsichtig Rechnung: „Und heute ist es der Kampf gegen die Formen der Unterjochung – gegen die Unterwerfung der Subjektivität -, der immer mehr vorherrscht, auch wenn die Kämpfe gegen Herrschaft und Ausbeutung nicht verschwunden sind, im Gegenteil.“ Diese Kämpfe zwangen uns schließlich auch, den Krisenbegriff zu vertiefen. Die Krise des kapitalistischen Verwertungskommandos, die zum Ende der 60er Jahre immer deutlichere Konturen annahm, erwies sich, der Natur des Fordismus entsprechend, als die Blockierung seiner Zugriffe global und in allen Lebensbereichen. Der Widerstand, die Wiederaneignung des eigenen Lebens im Kampf gegen seine Fabrikisierung war die Krise des Kapitals. Aus der komplexen Krise des kapitalistischen Akkumulationskommandos zog das Kapital seine Konsequenzen. Es brach die Strukturen der fordistischen Gesellschaftsfabrik auf allen Ebenen ab, von der Produktion über die Strukturen des korporatistischen Arrangements zwischen Kapital und Gewerkschaften bis hinauf in den staatlichen Rahmen seiner Souveränität. In seinem Vokabular: es „deregulierte“ sie. Gleichzeitig verschmolz es Zentren der innovativen Leitsektoren (Informatik, Wissensökonomie, Biotechnik etc.) zu strategischen Kernen („Clustern“), von denen aus es die Netzwerke seiner neuen globalen Innovationsoffensive organisierte. An die Stelle der „Fabrikgesellschaft“ trat das Paradigma der „Netzwerkgesellschaft“, ebenfalls nicht als fertiges Regulationsregime sondern als Strategie der Zerstörung der alten Strukturen und Reorganisation des wertschöpfenden Zugriffs. Er dringt in unerschlossene Tiefen personaler und sozialer Existenz vor, um kommunikative, biologische, kulturelle Ressourcen des „Humankapitals“ für die Akkumulation und kapitalistisches Kommando aufzuschließen. Das ist nichts grundsätzlich Neues im Kapitalismus. Es ist vielmehr eine Intensivierung, eine Vertiefung. Der Griff des Fordismus nach Innen und nach Aussen reproduziert sich im postfordistischen Take-off auf erweiterter und vertiefter „Stufenleiter“, um mit Marx zu sprechen, in der Steigerung der Intensität seiner sozialtechnischen Gewalt. Er hat zunächst in den Schocktherapien der „schöpferischen Zerstörung“ die alten sozial-ökonomischen Strukturen zerstört, „dereguliert“. Wir dürfen uns trotz ihrer Härte in den amerikanischen, europäischen und japanischen Metropolen nichts vormachen. Die Gewalt und Verelendung steigern sich erneut im globalen Gefälle, von den mafiösen Formen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks bis zur low-intensity-warfare und den sogenannten „Chaoskriegen“ in den drei Kontinenten. Seit 1999 ist sie auf dem Weg in den sozialen Weltkrieg. Agenda 2010 und Krieg „Unser Land erlebt gerade einen dramatischen Umbruch. In allen Generationen vor uns war Krieg das Prinzip des sozialen Wandels. Jetzt durchläuft Deutschland zum ersten Mal…eine friedliche Transformation solchen Ausmaßes. Aber es hilft nicht, wir müssen da durch.“ (Fischer Taz 21.2.04 zur Agenda 2000) „Wir müssen eine Dynamik nutzen, die im europäischen Einigungsprozess und in der positiven Gestaltung der Globalisierung liegt..Daran schließt sich dann die Modernisierungsidee für den mittleren Osten an…Die Türkei hat die strategische Bedeutung einer Brücke“ (Fischer FAZ 6.3.04) “Ihren bewährten Konzepten können sie (die Europäer) nichts sehnlicher wünschen, als eine durch Koordinierung mit amerikanischen Initiativen gesteigerte Durchsetzungskraft…“ (Georg Dick als Leiter von Fischers Planungsstab zur neuen europäischen Mittelostpolitik in FR 25.3.04). Die Globalisierungsstrategien der postfordistischen Akkumulationsdynamik sind offen zum Krieg übergegangen. Dass der Irakkrieg der USA von Anfang an auf sozial-ökonomische Modernisierung des gesamten Nahen Ostens im Sinne einer „schöpferischen Zerstörung“ abzielte, konnten wir schon früh aus den amerikanischen Vorkriegsplanungen herauslesen.[3] Dass dies das Sprungbrett für die Globalisierung des sozialen Kriegs zur Reorganisation der kapitalistischen Akkumulation bilden sollte, ebenfalls. Und dass Deutschland und die EU keine grundsätzlichen Einwände hatten, sondern sich nur vom Tempo der amerikanischen Initiativen angesichts ihrer militärischen Machtdefizite überfordert fühlten und verzweifelt Anschluss suchten, pfiffen die Spatzen schon vor mehr als einem Jahr von den Dächern. Nun nutzen sie die Krise der amerikanischen Irakoffensive für eine europäische Initiative zur „Rekonstruktion des Westens“ (Fischer). Was kriegerische „Modernisierung“ des Nahen Ostens heißt, zeigt das amerikanische Besatzungsregime unter seinem obersten „Zivilverwalter“ Bremer überdeutlich: eine Schocktherapie, die an Gewalt und sozialer Enteignung alles bisherige übersteigt, auch die der USSR. Angelehnt an Schumpeter hat der neokonservative Ideengeber Michael Ledeen sie als global angelegtes Projekt „schöpferische Zerstörung“ propagiert: die totale militärische Deregulierung und Neuzusammensetzung des Sozialen im Wege der Vernichtung („undoing“) traditioneller Gesellschaften als „historische Mission Amerikas“[4]: Was bedeutet es, wenn Fischer die Agenda 2010 als friedliche Transformation in diesen Kontext kriegerischer Transformationspolitik rückt? Jedenfalls alles andere als ein Bekenntnis zum Frieden oder eine bloße Lüge. Fischer sagt uns: wenn wir die Agenda 2010 verstehen wollen, sollen wir nicht an die Friedensperioden sozialen Wandels denken, sondern an Kriege, die alle Generationen vor uns zum Prinzip sozialen Wandelns gemacht haben. Nach außen will er dies über die Dynamik des Machtzuwachses der EU in der globalen Expansion vorantreiben, zunächst mit gesteigerter Durchsetzungskraft über die Brücke Türkei in den Nahen Osten. Wenn Fischer die Agenda 2010 in die Kette deutscher Kriege als Prinzip der sozialen Transformation stellt, dann beruft er sich die erste Phase fordistischer Akkumulation vor 1914, die ihre aggressivsten Kerne in den USA und Deutschland hatten. Auch damals war der „Griff nach der Weltmacht“ -bei zunächst aufrechterhaltenem inneren Frieden- durch kriegerische Griffe nach Afrika, auf den Balkan, aber auch auf die Philippinen (von Washingtons Neocons als Modell für den Irakkrieg propagiert) eingeleitet worden. Es ist beileibe nicht Fischer allein, der in Deutschland dieses Feld beackert: Die Spiegelserie über den Ersten Weltkrieg etwa verlässt sein lang gehegtes Verständnis als barbarische „Urkatastrophe“ und bereitet mit Wehlers Leitartikel[5] Krieg paradigmatisch als „Transformationskrieg“ und „Modernisierungskrieg“ auf. Wehler behandelt den ersten und zweiten Weltkrieg als „großen Transformator“ mit totaler Tendenz unter Einbeziehung aller Lebensbereiche, der Sozialstruktur, Wirtschaft, Verfassung, Mentalitäten und Wertewelt. Schon vor dem ersten Weltkrieg wurde deutlich, dass dies auch die Klassenauseinandersetzungen berührte. Die rechten Fraktionen der Sozialdemokratie, aber auch Liberale wie Naumann zielten darauf ab, nicht nur die metropolitane Arbeiterklasse, sondern auch existenziell bedrohte Teile der deutschen Bevölkerung in diese Kriegsdynamik „sozialimperialistisch“ als potentielle Nutznießer mit hineinzuziehen, mit volksgemeinschaftlichen Projektionen und dergleichen mehr, auch denen eines „nationalen Sozialismus“ (Naumann). Die Kämpfe sind die Orte der Erkenntnis. Die Kämpfe gegen das kriegerische Projekt der postfordistischen global vernetzten Fabrik. Die Kämpfe in allen Dimensionen, in die es die Gewalt ihrer sozialen und technischen Zugriffe hineintreibt, um sie zu Kapital zu enteignen. Die Kämpfe um die Wiederaneignung einer ganzen Welt, um den Entwurf unserer Welt. Ein Entwurf, dessen Erkenntnis an den Kampf selbst gebunden ist. Das heißt vor allem: jede Verkürzung dieses Verständnisses des Zusammenhangs von Kampf und Erkenntnis ist mit fürchterlichen Strafen belegt. Es ist jetzt schon offenbar, dass der soziale Weltkrieg der deregulierenden „schöpferischen Zerstörung“, der aus der relativen Ruhe der Metropolen betrieben wird, in China, Lateinamerika, ja in den Unruhen aus den Armutsvierteln Bagdads und Basras auch im Irak zunehmend unter dem antiterroristischen Verständnisraster wahrnehmbar, die intensivsten Kämpfe gegen sich aufruft. Jede Verkürzung der Gegensperspektiven auf den metropolitanen Rahmen der „Agenda“, jede Verkürzung um die zentrale Rolle der Kämpfe der 150 Millionen chinesischer Wanderarbeiter, der gentechnologisch in die Gürtel von Buenos Aires Vertriebenen, läuft Gefahr, dem Replay einer sozialimperialistischen Formierung zuzuarbeiten, wie die sozialdemokratischen Reformisten dies vor 1914 gegen die unablässige Kritik Rosas betrieben haben. Jede Verkürzung durch die Orientierung an der historischen Vernunft des alten Zyklus, etwa an seinen New-Deal-Utopien, seinen korporatistischen Blocks von Kapital und Gewerkschaften, seinen Souveränitäts- und Staatsverständnissen läuft Gefahr, eine „Utopistik“ aus der alten Linken gegen die neuen Kämpfe zu kehren. Wallersteins vieldiskutierte „Utopistik“ knüpft ausgerechnet und ausdrücklich an das Vernunftverständnis Max Webers an, eines der profiliertesten praktisch-theoretischen Propagandisten des fordistischen Managements vor und im 1. Weltkrieg). Jede Verkürzung im Verständnis des historischen Antagonismus um seine rassistischen, sexistischen, technologischen, netzwerkorganisatorischen, kulturellen Dimensionen (einschliesslich der Dimensionen, die sich, wie in jedem Zyklus zuvor, erst im Antagonismus selbst auftun werden) läuft Gefahr, sich im Kampf falsch zu positionieren. Auch wir, die Linken, stehen auf dem Spiel. Detlef Hartmann [1] R. Luxemburg, Die Akkumulation des Kapitals, Gesammelte Werke, Berlin 1985, Bd. 5, 319; dieselbe, Fünfundzwanzig Jahre Maifeier, Ges.W. Bd.3, S. 435, 436; [2] vgl. D. Hartmann, Völkermord gegen soziale Revolution, Autonomie Nr. 14 (1985), S. 217 [3] Detlef Hartmann, Dirk Vogelskamp, Irak. Schwelle zum sozialen Weltkrieg, Assoziation A, Berlin, Hamburg, Göttingen, 2003 [4] M. Ledeen, The War Against the Terror Masters, New York 2002, S. 213 [5] Spiegel 8/04. Der Artikel ist praktisch ganz dem 2003 erschienenen 4. Band seiner „Deutschen Gesellschaftsgeschichte“ entnommen, in dem der NS als Modernisierungsetappe auf dem Weg in die Bonner Leistungsgesellschaft dargestellt wird. |